Vorsorge bei Unternehmensgründung: Frühzeitig die richtigen Weichen stellen

publiziert Februar 2026

Die Gründung eines Unternehmens ist ein spannender Schritt – voller Ideen, Energie und unternehmerischem Mut. Doch gerade in dieser Phase wird ein zentrales Thema oft vernachlässigt: die berufliche Vorsorge. Dabei hat die Wahl der Gesellschaftsform und die Gestaltung der Vorsorgelösungen weitreichende Auswirkungen – nicht nur auf die finanzielle Sicherheit im Alter, sondern auch auf Risiken wie Invalidität oder Todesfall.

Die Gesellschaftsform bestimmt, ob Gründer:innen als selbständig oder angestellt gelten – und damit, ob sie dem BVG unterstellt sind. Wer eine Einzelfirma gründet, ist selbständig und nicht obligatorisch BVG-versichert. Das bedeutet, es besteht keine Pflicht zur beruflichen Vorsorge. Gleichzeitig eröffnet sich eine besondere Möglichkeit: Selbständigerwerbende können Kapital aus ihrer bestehenden Pensionskasse beziehen, um ihre Geschäftstätigkeit aufzubauen. Es handelt sich um eine einmalige Chance, bei welcher eine sorgfältige Planung und Beratung essenziell sind, um das volle Potenzial dieser Möglichkeit auszuschöpfen.

Selbständigerwerbende können sich freiwillig einer Pensionskasse anschliessen – selbst, wenn sie bereits das vollständige Kapital aus der beruflichen Vorsorge bezogen haben. Ein solcher Kapitalbezug führt zu einer Vorsorgelücke – vergleichbar mit dem Vorbezug für Wohneigentum. Anders als dort muss der bezogene Betrag bei späteren freiwilligen Einkäufen nicht zuerst zurückbezahlt werden. In der Regel gilt nach einem Kapitalbezug jedoch eine Sperrfrist für freiwillige Einkäufe. In dieser Zeit können die Einzahlungen nicht steuermindernd geltend gemacht werden – üblicherweise beträgt die Sperrfrist drei Jahre.

Wachsende Vorsorgebedürfnisse sollten nicht vernachlässigt werden. Gerade in der Anfangsphase eines Unternehmens sind die finanziellen Mittel meist begrenzt. Daher wird oft eine schlanke BVG-Lösung mit den minimalen Leistungen gewählt. Diese ist kostengünstig, bietet aber auch nur begrenzte Absicherung – insbesondere bei Invalidität oder im Todesfall. Besonders kritisch wird es, wenn zudem nur ein tiefer Lohn versichert ist, da die Höhe der Risikoleistungen direkt davon anhängt. Ausserdem variieren die Kosten für Risikoleistungen und Verwaltung je nach Pensionskasse erheblich. Um Kosten zu sparen, lohnt sich ein sorgfältiger Vergleich in jedem Fall.
Die Altersstruktur der Mitarbeitenden sowie die persönliche Lebenssituation der Gründer:innen spielen eine wichtige Rolle bei der Wahl der Pensionskasse. Für junge Unternehmer:innen sind die Umwandlungssätze oftmals weniger entscheidend, da der Renteneintritt noch weit entfernt liegt. In dieser Phase steht häufig die Verzinsung im Vordergrund. Eine Pensionskasse mit tieferen Umwandlungssätzen, dafür aber mit attraktiver Verzinsung, kann daher eine sinnvolle Wahl sein.

Mit dem Wachstum des Unternehmens verändern sich auch die Anforderungen an die Vorsorge. Plötzlich stehen nicht mehr nur die Kosten und Sicherheit im Vordergrund, sondern eher der Aufbau von Vorsorgevermögen und die Steueroptimierung. Daher empfiehlt es ich, die BVG-Lösung aus der Gründungsphase zu überprüfen und gegebenenfalls auszubauen. Falls nicht bereits verschiedene Vorsorgepläne bestehen, wäre das der Zeitpunkt dies nachzuholen. In der Praxis sind häufig drei Pläne anzutreffen: ein Basisplan für den allgemeinen Bestand, ein separater Kaderplan für Kaderangestellte sowie ein zusätzlicher Vorsorgeplan für die Geschäftsleitung.

Neben den persönlichen Bedürfnissen sollten bei der Wahl einer Pensionskasse auch die finanzielle Stabilität, die angebotenen Leistungen und die Kostenstruktur berücksichtigt werden. Die Sicherheit, Kosten und Leistungen stehen in einem ständigen Spannungsverhältnis. So ist beispielsweise eine Hohe Verzinsung in der Regel nur mit Einbussen bei der Sicherheit möglich, während umfassendere Risikoleistungen meist mit höheren Kosten verbunden sind. Das richtige Gleichgewicht zwischen diesen Faktoren ist entscheidend.

Eine gut abgestimmte Vorsorgelösung kann helfen Kosten und Steuern zu sparen, Vermögen aufzubauen und gleichzeitig die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern – insbesondere um Kader und Schlüsselpersonen langfristig an das Unternehmen zu binden.

Entscheidend ist, dass die Vorsorgelösung zu den aktuellen Bedürfnissen passt und mit dem Unternehmen mitwachsen kann.

Melina Trachsel

Melina Trachsel

Treuhänderin | Finanzplanungs- und Vorsorgeberaterin
Handlungsbevollmächtigte
Fachfrau im Finanz-und Rechnungswesen mit eidg. Fachausweis | Finanzplanerin mit eidg. Fachausweis


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