Der Finanzplan in der Gründungsphase eines Unternehmens

publiziert Januar 2026

Die Gründungsphase eines Unternehmens ist geprägt von Unsicherheit, dynamischen Entwicklungen und einem hohen Informations- sowie Kapitalbedarf. In dieser sensiblen Phase ist ein fundierter Finanzplan unverzichtbar. Ein integrierter Finanzplan umfasst je nach Definition und Ausgestaltung die Bilanzplanung, die Erfolgsplanung, die Investitionsplanung und die Liquiditätsplanung.

Der Finanzplan ist ein integraler Bestandteil des Businessplans. Während der Businessplan die Geschäftsidee, das Marktumfeld, die Strategie und die Organisation beschreibt, liefert der Finanzplan die quantitativen Nachweise für die Umsetzbarkeit und Rentabilität des Vorhabens.

Bestandteile des Finanzplans

Bilanzplanung

Die Bilanzplanung beschreibt die voraussichtliche Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag. Sie zeigt, welche Mittel dem Unternehmen zur Verfügung stehen und wie diese eingesetzt werden. Besonders in der Gründungsphase dient die Bilanzplanung als Kontrollinstrument, um sicherzustellen, dass das Eigen- und Fremdkapital in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und die Zahlungsfähigkeit gewährleistet bleibt.

Erfolgsplanung

Die Erfolgsplanung prognostiziert die erwarteten Erträge und Aufwendungen eines Unternehmens für einen bestimmten Zeitraum. Sie gibt Auskunft darüber, ob und ab wann das Unternehmen profitabel arbeitet. Für Gründer ist dies essenziell, um die Wirtschaftlichkeit ihres Geschäftsmodells zu überprüfen und potenzielle Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.

Investitionsplanung

Investitionen sind gerade zu Beginn häufig notwendig, um Anlagen, Maschinen, Software oder andere Ressourcen zu beschaffen. Die Investitionsplanung stellt sicher, dass alle notwendigen Anschaffungen zeitlich und finanziell abgestimmt werden. Sie hilft, den Kapitalbedarf präzise zu ermitteln und die Finanzierung darauf abzustimmen.

Liquiditätsplanung / Plan-Geldflussrechnung

Die Liquiditätsplanung ist wohl der kritischste Bestandteil des Finanzplans in der Gründungsphase. Sie stellt sicher, dass das Unternehmen zu jedem Zeitpunkt zahlungsfähig bleibt und alle Verpflichtungen fristgerecht erfüllen kann. Ein Liquiditätsengpass kann bereits in den ersten Monaten zur Insolvenz führen, selbst wenn das Geschäftsmodell grundsätzlich tragfähig wäre. Die Plan-Geldflussrechnung stellt die Liquiditätsplanung gegliedert nach dem Cashflow aus Geschäftstätigkeit, aus Investitionstätigkeit und aus Finanzierungstätigkeit dar.

Am Ende der Geldflussrechnung steht die Veränderung des Bestands an liquiden Mitteln, also wie viel Bargeld und Bankguthaben das Unternehmen am Anfang und Ende der Periode hatte. Zusammengefasst bietet die Geldflussrechnung einen klaren Überblick darüber, woher das Geld kommt und wofür es verwendet wird – ein wichtiger Aspekt für Investoren, Analysten und das Management, um die finanzielle Stabilität und Flexibilität eines Unternehmens zu beurteilen.

Bedeutung in der Gründungsphase

Ein detaillierter und realistischer Finanzplan schafft Transparenz über die finanzielle Entwicklung des Unternehmens und ermöglicht es Gründern, fundierte Entscheidungen zu treffen. Er hilft, Risiken zu identifizieren und rechtzeitig Gegenmassnahmen einzuleiten. Die Planung erlaubt es zudem, Szenarien durchzuspielen und auf verschiedene Eventualitäten vorbereitet zu sein. Gerade in der Gründungsphase, in der Erfahrungswerte fehlen und der Markt schwer einschätzbar ist, bietet der Finanzplan eine wichtige Orientierung.

Adressaten einer Finanzplanung

Der Finanzplan richtet sich an verschiedene Zielgruppen:

  • Gründer und das Management-Team: Sie nutzen den Plan als Steuerungs- und Kontrollinstrument für die operative und strategische Führung.
  • Investoren und Banken: Sie fordern einen detaillierten Finanzplan als Entscheidungsgrundlage für die Vergabe von Krediten oder Investitionen.
  • Öffentliche Förderstellen: Auch sie verlangen meist eine Finanzplanung zur Bewertung von Förderanträgen.
  • Geschäftspartner: Lieferanten oder Kooperationspartner können sich einen Überblick über die finanzielle Stabilität des jungen Unternehmens verschaffen.

Fazit

In der Gründungsphase entscheidet ein durchdachter Finanzplan massgeblich über den Erfolg oder das Scheitern eines Unternehmens. Idealerweise wird er für kurzfristige Zwecke für das erste Geschäftsjahr auf Monatsbasis und für langfristige Zwecke auf Jahresbasis für die ersten 5 Jahre erstellt. Er ist nicht nur ein internes Steuerungsinstrument, sondern auch eine unverzichtbare Entscheidungsgrundlage für externe Partner. Der enge Zusammenhang mit dem Businessplan unterstreicht seine Bedeutung. Wer sich als Gründer frühzeitig und gewissenhaft mit Bilanz-, Erfolgs-, Investitions- und Liquiditätsplanung auseinandersetzt, legt den Grundstein für eine nachhaltige und erfolgreiche Unternehmensentwicklung.

Markus Jungo

Markus Jungo

Partner, Sitzleiter

Betriebswirtschafter lic. rer. pol.
Dipl. Wirtschaftsprüfer


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