Wirtschaftsprüfung im Wandel

Sie bewegen sich in einem Umfeld, in dem ständige Anpassungen notwendig sind. Auch die Wirtschaftsprüfung, ein als traditionelles, von Zahlen bestimmtes Tätigkeitsfeld wahrgenommen, das sich scheinbar von Ausseneinflüssen nicht beirren lässt, untersteht dem Wandel. Insbesondere die rasanten technologischen Entwickungen, die sich ständig verändernden rechtlichen Rahmenbedingungen und die Informationsbedürfnisse der Anspruchsgruppen an Unternehmen, beschleunigen diesen Wandeln und erfordern eine entsprechende Agilität.

Die mannigfaltigen Möglichkeiten, die sich uns durch die künstliche Intelligenz bereits heute und in Zukunt umso mehr eröffnen, werden unseren Alltag wesentlich beeinflussen. Der Anteil an klassischen Routinetätigkeiten wird sich reduzieren. Der Mensch wird jedoch bei der Analyse der enormen Datenmenge, die dank technologischer Hilfsmittel in kürzester Zeit generiert werden, weiterhin eine zentrale Rolle einnehmen. Er wird insbesondere im Zusammenfügen der einzelnen Informationen zu einem Ganzen und deren Interpretation, bei der Beurteilung von Ermessensspielräumen und der Risikobeurteilung weiterhin unverzichtbar sein. Dadurch wird das Verständnis für den Kunden und seine Geschäftsprozesse, inklusive der IT-Prozesse noch wichtiger. Im Weiteren wird der persönliche Kontakt mit den Klienten, das offene Ohr und die unterstützende Hand kaum an Bedeutung verlieren. Die Bedürfnisse zu erkennen, proaktiv auf Herausforderungen hinzuweisen, und mit der breiten Erfahrung die Kunden zu begleiten, wird trotz Automatisierung weiterhin unverzichtbar sein. Nichtsdestotrotz, andere und zusätzliche Fähigkeiten werden gefragt sein.

Mit den Entwicklungen im rechtlichen Umfeld und den Informationsbedürfnissen der Anspruchsgruppen einer Unternehmung bestehen weitere zentrale Treiber des Wandels. Der Kreis an Personen, die ein Interesse am Verhalten eines Unternehmens haben, hat sich nicht wesentlich verändert, der Umgang mit ihnen jedoch schon. Mitarbeitende, Lieferanten, Konsumenten, Eigentümer, Kreditgeber haben jeweils andere Informationsbedürfnisse. Diese gilt es zu adressieren und zu befriedigen, teilweise auch aufgrund in jüngster Zeit neu entstandener rechtlicher Bestimmungen. Dies verändert auch die Arbeit des Wirtschaftsprüfers. Die klassische Revision von Jahresrechnungen bildet zwar weiterhin die tragende Säule seiner Arbeit, die Spezialprüfungen gewinnen jedoch laufend an Bedeutung. Sei es für die auf die Mitarbeitenden oder Kunden ausgerichtete Prüfung der Lohngleichheitsanalysen zwischen Frau und Mann oder die Beurteilung der Branchenüblichkeit der Löhne. Seit dem 1. Januar 2022 sieht das Schweizer Obligationenrecht zudem eine zwingende nicht nanzielle Berichterstattung für börsenkotierte und grosse Unternehmen, insbesondere in den Dimensionen Umwelt, Soziales, Arbeitnehmer, Kinderarbeit, Menschenrechte, Korruptionsbekämpfung und Konfliktmineralien vor. Bei Unterlassen sogar mit möglichen strafrechtlichen Konsequenzen. Der vorwiegend international geprägte Regulierungtrend rund um die nichtfinanzielle Berichterstattung tangiert daher bereits heute die Schweiz und wird es zukünftig womöglich noch stärker tun. Schweizer Tochtergesellschaften ausländischer Gruppen, können bereits heute von diesen Regulierungen betroffen sein.

Für die traditionellen, meist privat gehaltenen KMUs in der Schweiz besteht noch kein unmittelbarer Handlungsbedarf, aber der Trend zu zunehmender Transparenz und Berichterstattung neben dem reinen Zahlenwerk nimmt auch in der Schweiz zu. Es zeigt sich beispielsweise, dass bereits heute einige Schweizer Grossunternehmen, von ihren Lieferanten zusätzliche Berichterstattungen nichtfinanzieller Art erwarten, damit sie in ihrer Lieferkette soziale und ökologische Mindeststandards sicherstellen können. Unternehmen werden einerseits basierend auf neuen Gesetzen oder ihrem ökonomischen Umfeld gezwungen, transparenter mit ihren Anspruchsgruppen zu kommunizieren, andererseits nutzen dies einige gezielt als Marketinginstrument, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen und gutes Verhalten transparent zu machen. Mit einer Prüfung dieser Angaben durch einen Wirtschaftsprüfer kann den Aussagen zusätzliche Glaubwürdigkeit verliehen werden. Dies erfordert mehr denn je, nicht nur Kenntnisse über die Zahlenwelt und die rechtlichen Bestimmungen rund um die Buchführung und Rechnungslegung, sondern ein hohes Mass an Kenntnissen der Branchenstandards in rechtlicher und prozessualer Hinsicht.

Sowohl die digitale Transformation als auch die nichtfinanzielle Berichterstattung beeinflussen nicht nur die Zukunft der Wirtschaftsprüfung, sondern diejenige aller Unternehmen. Es ist also ein Gedanke wert, sich als Unternehmen mit der Digitalisierung und mit der nichtfinanziellen Berichterstattung frühzeitig auseinanderzusetzen, eine Vorreiterrolle einzunehmen, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Dies muss nicht zwingend ein zusätzlicher administrativer Aufwand, sondern kann ein unternehmerischer Schachzug sein. Denn im Wandel ist es oft ein Vorteil agieren zu können, statt reagieren zu müssen.

Reto Käser

Reto Käser

Partner, Teamleiter-Stv.

Dipl. Wirtschaftsprüfer
Master of Arts HSG in Rechnungswesen und Finanzen


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