27.10.2016
Steuerliche Bewertung von Aktien

Die steuerliche Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert wird aufgrund einer Wegleitung der Schweizerischen Steuerkonferenz (Kreisschreiben Nr. 28) vorgenommen. Aufgrund dieser in der Schweiz einheitlich anzuwendenden Bewertungsmethode berechnet die kantonale Steuerverwaltung jährlich den Steuerwert von KMU Gesellschaften. Die Aktionäre haben diese Werte sodann als Vermögen zu deklarieren.

Bei Handels-, Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften errechnet sich der Wert der Gesellschaft aus der zweimaligen Gewichtung des Ertragswertes und der einmaligen Gewichtung des Substanzwertes (= Eigenkapital und allfällige stille Reserven). Bei Minderheitsaktionären kommt in der Regel ein Pauschalabzug von 30% zum Zug. Erhält der Steuerpflichtige jedoch eine angemessene Dividende, so wird der Abzug nicht gewährt.

Als Ertragswert ist der kapitalisierte ausgewiesene Reingewinn der massgebenden Geschäftsjahre heranzuziehen. Dieser Reingewinn wird um ausserordentliche Elemente vermehrt oder vermindert.

Für die Berechnung des Ertragswertes stehen die folgenden zwei Modelle zur Verfügung.

  • Modell 1 (Kanton Freiburg): Grundlage bilden die Jahresrechnungen (n-1) und (n-2);
  • Modell 2: Grundlage bilden die Jahresrechnungen (n), (n-1) und (n-2).

Beim Modell 1 wird der Reingewinn des letzten Geschäftsjahres doppelt gewichtet. Beim Modell 2 wird der Reingewinn aller drei Geschäftsjahre einfach gewichtet.

Der massgebende Kapitalisierungssatz (für die Berechnung des Ertragswertes) wird jährlich in der Kursliste der ESTV publiziert. Für das Jahr 2015 beträgt dieser Kapitalisierungszinssatz 7%, was für eine Bewertung sehr niedrig ist.Diese Bewertungsmethode führt bei erfolgreichen KMU Unternehmen zu relativ hohen Werten.

Beispiel: Eine Gesellschaft mit einem Gewinn von TCHF 350 und einer Substanz von TCHF 500 wird steuerlich mit CHF 3,5 Mio. bewertet. Dies löst bei Aktionären im Kanton Freiburg ca. CHF 21‘000 Vermögenssteuern aus.

Der massgebliche Vermögenssteuerwert der Aktien wird grundsätzlich nach Modell 1 oder 2 berechnet und wird so in die private Steuererklärung des Aktionärs übernommen. Vertritt der Steuerpflichtige eine andere Auffassung, dann obliegt es ihm, den Gegenbeweis mittels eines Antrages oder mittels Einsprache zu erbringen.

So kann beispielsweise eine Gesellschaft, deren Wertschöpfung stark von einer Einzelperson abhängt und die, mit Ausnahme von wenigen Hilfskräften für die Administration und Logistik kein weiteres Personal beschäftigt, beantragen, den Ertragswert und den Substanzwert je einfach zu gewichten.

Oder die zu bewertende Gesellschaft kann beantragen, dass das Modell 2 anzuwenden ist, was bei schwankenden Ergebnissen ausgleichende Wirkung haben kann. An das gewählte Modell bleibt die Gesellschaft für die nächsten fünf Bewertungsjahre gebunden.

Gerne beraten wir Sie in diesen Angelegenheiten.

Markus Jungo

Partner, Teamleiter
Dipl. Wirtschaftsprüfer
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