28.10.2016
Leasing kurz erklärt

Das Leasing stellt eine spezielle Art eines Miet-/Kaufvertrages dar. Grundsätzlich können sowohl private Personen als auch Unternehmungen Leasinggeschäfte tätigen. Im Vergleich zu einem reinen Mietvertrag besteht beim Leasingvertrag die Möglichkeit, den Gegenstand nach Ablauf der Vertragsdauer zu einem bestimmten Restwert zu erwerben.

Die Finanzierungsform durch Leasing ist in der Schweiz beliebt. Ende 2015 wurde ein Gesamtvolumen von rund 27 Mrd. CHF an verleasten mobilen und immobilen Gütern festgestellt, wie die Zahlen des Schweizerischen Leasingverbandes zeigen.

Begriffe des Leasingvertrages

Der Leasingvertrag wird zwischen dem Leasinggeber und dem Leasingnehmer abgeschlossen. Oftmals ist der Leasinggeber nicht der Lieferant des Objektes. Dieses wird von einem dritten Partner geliefert. Die Rechnung des Lieferanten wird vom Leasinggeber beglichen und anschliessend vom Leasingnehmer mittels Leasingraten an den Leasinggeber zurückbezahlt. Die Leasingrate entspricht einem gemäss Leasingvertrag monetär und zeitlich fixierten Betrag. Es ist üblich, dass dieser während der gesamten Laufzeit identisch bleibt; dies ist allerdings nicht zwingend notwendig. Nach Ende der vertragsgemässen Laufzeit des Finanzierungsleasings (vgl. unten) kann das Objekt zu einem vordefinierten Betrag, dem Rückkaufs- oder Restwert, gekauft werden. Erst nach Zahlung des Rückkaufswertes geht das Objekt in das rechtliche Eigentum des Leasingnehmers über.

Arten des Leasings

Beim Leasing werden hauptsächlich zwei Arten unterschieden. Einerseits gibt es das Finanzierungsleasing und andererseits das operative Leasing. Das Finanzierungsleasing hat zum Zweck, einen Gegenstand zu finanzieren. Der Leasingnehmer hat die Absicht, den Gegenstand nach Ablauf der Leasingdauer selbst als Eigentümer zu übernehmen. Merkmale des Finanzierungsleasings sind ein tiefer Restwert und eine im Vergleich zur erwarteten Nutzungsdauer des Objekts kurze Leasingdauer.

Beim operativen Leasing besteht die Absicht, den Gegenstand lediglich zu mieten. Der Leasinggegenstand wird hierbei nach Ablauf des Leasings an den Leasinggeber zurückgegeben. Der Restwert des Leasinggegenstandes nach Ablauf des Finanzierungsleasings entspricht in etwa dem effektiven Zeitwert des Gegenstandes.

Vor- und Nachteile des Leasings

Nachteile des Leasings sind, dass der Leasingvertrag in der Regel nicht vorzeitig durch den Leasingnehmer gekündigt werden kann und das rechtliche Eigentum an der Sache erst mit der letzten Rate, respektive nach Zahlung des Rückkaufswerts, an den Leasingnehmer übergeht. Die Leasingrate muss somit auch bei Qualitätsverschlechterung, Nichtnutzung oder Verlust des Objektes bezahlt werden. Ebenfalls können Wartungs-, Versicherungs-, und Pflegepflichten durch den Leasingnehmer höher ausfallen, als im Falle eines Eigentumserwerbs. Zudem gibt es bei gewissen Leasingobjekten Nutzungsbeschränkungen, wie beispielsweise die KM-Begrenzung bei Fahrzeugen.

Wieso dennoch so viele Verträge abgeschlossen werden liegt auf der Hand. Ein Leasingvertrag ermöglicht es, Betriebsmittel (fast) ohne Eigenkapital zu finanzieren. Die Leasingraten können dank dem geleasten Objekt laufend erwirtschaftet werden. Somit finanziert sich im Idealfall das Objekt selbst.

Die Kosten des Leasings sind nicht immer direkt ersichtlich. Auf den ersten Blick scheint das Leasing, abgesehen von den Raten, kostenlos zu sein. Zählt man die Raten zusammen, ist jedoch rasch ersichtlich, dass die Gesamtkosten höher ausfallen, als der ursprüngliche Rechnungsbetrag. Diese Kosten entsprechen den Zinsen. Allerdings wird häufig nicht berücksichtigt, dass bei Barzahlung zusätzliche Rabatte herausgeholt werden könnten, welche als indirekte Zinskosten zu behandeln sind.

Steuerlicher Aspekt

Oft besteht die Meinung, dass man dank Leasing Steuern sparen kann. Dies stimmt allerdings weder für Privatpersonen noch für Firmen. Als Privatperson können keine Abzüge für Leasings gemacht werden. Es besteht ebenfalls keine Möglichkeit die Wertverminderung eines gekauften Objektes beim Einkommen abzuziehen. Unternehmen hingegen können die Leasingraten als Aufwand geltend machen und mindern somit den Gewinn. Allerdings würden bei einer Direktinvestition die Abschreibungen ebenfalls der Erfolgsrechnung belastet. Im Endeffekt spielt es daher keine Rolle, ob die Leasingraten oder die Abschreibungen im Aufwand verbucht werden, da die Investitionssumme exkl. Zinskosten identisch ist.

Bilanzierungsmöglichkeiten

Beim Leasing stehen für Firmen zwei Verbuchungsvarianten zur Verfügung. Diese sind normalerweise von der Leasingvariante abhängig. Beim Finanzierungsleasing wird der Kaufpreis, wie bei einem normalen Kauf, aktiviert und anhand der Nutzungsdauer abgeschrieben. Die gesamten Leasingraten ohne Zinsanteil werden als Schuld aufgeführt. Die laufenden Raten ohne Zinsanteil werden als Amortisation der Leasingschuld erfasst. Der Zinsanteil wird als Aufwand in der Erfolgsrechnung verbucht. Alternativ kann auf die Bilanzierung verzichtet und die Leasingraten des Finanzierungsleasings gesamthaft dem Ergebnis belastet werden. Beim operativen Leasing wird das Gut nicht in der Bilanz aktiviert, sondern die gesamten Leasingraten als Aufwand über die Erfolgsrechnung verbucht.

Beat Mauron

Partner, Teamleiter
Treuhänder mit eidg. Fachausweis
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