01.07.2016
Automatischer Informationsaustausch (AIA)

Daten werden international ausgetauscht, um Steuerhinterziehung zu verhindern.

Mit Hilfe des neuen globalen Standards für den automatischen Informationsaustausch (AIA) soll die grenzüberschreitende Steuerhinterziehung verhindert werden.

Der AIA funktioniert wie folgt: Die Informationen über Steuerpflichtige im Ausland mit einem Konto in einem anderen Land als das Herkunftsland werden von Banken sowie gewissen Anlageinstrumenten und Versicherungsgesellschaften an die nationalen Steuerbehörden übermittelt. Diese leiten die Daten automatisch einmal jährlich an die Steuerbehörden des jeweiligen Partnerlandes weiter.

Die zu übermittelnden Informationen umfassen:

  • Identifikationsinformationen: Name, Adresse, den oder die Staaten der steuerlichen Ansässigkeit, die Steueridentifikationsnummer und bei natürlichen Personen das Geburtsdatum und den Geburtsort.
  • Kontoinformationen: Kontonummer und Name sowie gegebenenfalls die Identifikationsnummer des meldenden Finanzinstituts.
  • Finanzinformationen: Saldo oder Wert des Kontos, einschliesslich der Bar- oder Rückkaufswerte bei Versicherungen, per Ende Jahr oder per Kontoschliessung, sowie Bruttobeträge der Zinsen, Dividenden, Einkünfte aus bestimmten Versicherungsprodukten, Verkaufserlöse aus Finanzvermögen und sonstige Einkünfte aus auf dem Konto gehaltenen Vermögen oder in Bezug auf das Konto geleisteten Zahlungen.

Diese Daten werden sowohl für Privatkunden als auch für Gesellschaften ausgetauscht. Des Weiteren dürfen diese nur zum dafür vereinbarten Zweck verwendet werden (zur Ermittlung der korrekten Steuerveranlagung). Der Datenschutz muss gewährleistet sein.

Bisher haben sich fast 100 Staaten, darunter alle wichtigen Finanzzentren, zur Übernahme dieses Standards bekannt, auch die Schweiz. Der AIA wurde z.B. bereits vollständig in das Abkommen mit der EU (alle 28 Mitgliederländer) aufgenommen. Ebenso wurde mit den USA und weiteren ausgewählten Ländern, mit denen sehr enge wirtschaftliche und politische Beziehungen bestehen, Verhandlungen aufgenommen und z.T. Erklärungen unterzeichnet.

Die Rechtsgrundlagen für die Einführung des AIA wurden der Bundesversammlung im Juni 2015 zur Genehmigung unterbreitet und im Dezember 2015 in der Schlussabstimmung angenommen. Sie sollen per 1. Januar 2017 in Kraft treten, sodass ab 2017 Daten gesammelt werden können und ab 2018 ein erster Datenaustausch erfolgen kann.

Vor diesem Hintergrund und vor einer Entdeckung durch die Steuerbehörden empfiehlt es sich, unversteuertes Einkommen und Vermögen mit einer straflosen Selbstanzeige rechtzeitig zu legalisieren.

Folgende Kriterien sind einzuhalten:

  • Die steuerpflichtige Person zeigt erstmalig eine Steuerhinterziehung an. Die Straffreiheit ist somit einmalig.
  • Zum Zeitpunkt der Selbstanzeige darf die Steuerhinterziehung keiner Steuerbehörde bekannt sein.
  • Die Steuerbehörde muss bei der Ermittlung und Festlegung der Nachsteuer durch die Steuerpflichtigen aktiv und vorbehaltslos unterstützt werden.
  • Die Steuerpflichtigen müssen ernsthaft um die Bezahlung der Nachsteuer sowie aufgelaufenen Zinsen besorgt sein.
  • Werden diese Kriterien eingehalten, entfällt eine Busse.

Bei weiteren Selbstanzeigen ist neben der Nachzahlung der hinterzogenen Steuer plus Zinsen und Zinseszinsen eine Busse zu entrichten, die 20 % der Nachsteuer beträgt.

Mit dem AIA hat die Schweiz das Bankgeheimnis für ausländische Bankkunden aufgehoben und hofft, sich damit die Wettbewerbsfähigkeit ihres Finanzplatzes zu sichern.

Michael Münger

Partner, Teamleiter
Dipl. Wirtschaftsprüfer
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