08.03.2016
War die "Übung" der Angaben zur Risikobeurteilung im Anhang zur Jahresrechnung umsonst?

Mit der Inkraftsetzung vom Neuen Rechnungslegungsrecht entfällt die Vorgabe für den Verwaltungsrat, der Revisionsstelle im Rahmen zur Prüfung nach der eingeschränkten Revision eine Dokumentation über seine Risikobeurteilung vorzulegen.

Die Aufgabe der Revisionsstelle war „nur" zu überprüfen, ob entsprechende Dokumente erstellt wurden. Es gehörte nicht zur Aufgabe der Revisionsstelle, über deren Inhalt Aussagen zu machen oder weiterführende Prüfungshandlungen vorzunehmen.

Was wollte also der Gesetzgeber mit dieser im Jahre 2008 eingeführten gesetzlichen Regelung, welche bereits 5 Jahre später schon wieder vom Tisch war? Sollte der Verwaltungsrat dahingehend kontrolliert oder ermahnt werden, dass er seiner Verantwortung gegenüber seinen „Stakeholder" ernst bzw. wahr zu nehmen hat?

Grundsätzlich sind im Aktienrecht die Aufgaben für den Verwaltungsrat und der daraus zu schliessenden Verantwortung bereits ziemlich präzise dargelegt. Des Weiteren kann der Verwaltungsrat für seine Pflichtverletzungen persönlich haftbar gemacht werden.

Wurden viele Klein- und Mittelständische Unternehmen erstmals mit deren Einführung sensibilisiert, sich konkret und schematisch mit Risiken über ihre Gesellschaft auseinander zu setzen?

Aber war nun diese Übung vollends umsonst? Vom gesetzlichen Standpunkt kann dies mit einem „Ja" beantwortet werden. Aber aus der wirtschaftlicher Betrachtungsweise darf der Verwaltungsrat, Geschäftsführer, Aktionär oder schlicht der „Unternehmer" diese grundlegenden Aufgaben auch weiterhin nicht ausser Acht lassen.

Nur der andauernde wirtschaftliche Erfolg garantiert grundsätzlich das langfristige Überleben der Gesellschaft!

Jeder „Unternehmer" sollte sich fortlaufend kritisch mit Risiken und positiv mit Chancen seiner Unternehmung auseinander setzen. In einem sehr schnelllebigen und stetig wandelnden Markt, kann eine gestern definierte Strategie bereits morgen das gewünschte Ziel verfehlen. Die Strategie „Augen zu und durch" kann und darf nicht der Lösungsweg sein.

Nicht alles im Leben funktioniert nach Plan - auch nicht im Unternehmen. „Eine Fabrikationsmaschine erleidet einen Schaden", „ein Hauptlieferant geht Konkurs", „ein wichtiger Mitarbeiter kündigt", „die IT streikt"!

Im Grundsatz bedeutet daher Risikomanagement die kontinuierliche Beurteilung und Einschätzung von Ereignissen, Handlungen und Entwicklungen, die eine Unternehmung hindern könnten, die Zielsetzung zu erreichen und die Strategie erfolgreich umzusetzen.

Der Unternehmer sollte aber auch das Gespür „Instinkt" haben Chancen zu erkennen. Denn das Nichterkennen von Chancen in einem Unternehmen (Einführung neuer Technologien, Möglichkeit der Übernahme eines Wettbewerbers (Konkurrenten) etc.) kann dazu führen, dass andere Mitbewerber diese Chance wahrnehmen und umsetzen. Eine nichterkannte Chance oder die Unterlassung kann also für das Unternehmen selbst zu einem Risiko werden!

Sich in bestimmten Abständen die Zeit und auch die notwendige Distanz heraus zu nehmen, um sich mit Fragen zur Strategie, Zielsetzung und deren Umsetzung sowie Chancen und Risiken zu befassen, ist keine verschwendete Zeit gegenüber dem Tagesgeschäft, sondern fundamentiert den Weg zum Erfolg der Unternehmung. Die Dokumentation ist bestimmt nicht die oberste Maxime, sondern das Auseinandersetzen mit den wichtigen genannten Themen. Oft genügt eine pragmatisch einfache Tabelle als Arbeitsinstrument, um die Kernpunkte kurz aber präzise fortlaufend abbilden zu können.

Rinaldo Jendly
Partner, Teamleiter
Dipl. Treuhandexperte