27.11.2014
Freizügigkeit in der beruflichen Alters- Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge

Kürzlich hat die Eidgenössische Steuerverwaltung das Kreisschreiben (KS) Nr. 41 zur Freizügigkeit bei der beruflichen Vorsorge publiziert. Es ersetzt das bisherige KS Nr. 22 vom 4. Mai 1995.
Das KS umbeschreibt die steuerlichen Bedingungen und Auswirkungen der nachfolgend dargestellten sozialversicherungsrechtlich vorgesehenen Vorsorge- oder Freizügigkeitsfäll

  • Der Übertrag der Austrittsleistung auf eine neue Vorsorgeeinrichtung oder auf eine Freizügigkeitseinrichtung ist grundsätzlich steuerneutral.
  • Beim Einkauf von Beitragsjahren in die Vorsorgeeinrichtung müssen allfällig bestehende Freizügigkeitspolicen und -konten sowie bestehende Altersguthaben für die Festlegung des Höchstbetrages mitberücksichtigt werden.
  • Bekanntlich wird die Auszahlung von Vorsorgeguthaben im Rahmen einer gesonderten Besteuerung einer vollen Jahressteuer zu einem reduzierten Tarif besteuert. Die Altersleistung darf frühestens fünf Jahre vor Erreichen des Rentenalters ausbezahlt sowie unabhängig von einer Erwerbstätigkeit bis fünf Jahre nach dem ordentlichen AHV-Rentenalter stehen gelassen werden.Im Besonderen wird im KS darauf hingewiesen, dass ein Bezug „in Tranchen" steuerlich unbeachtlich sei. Im Vorsorgefall ist aus steuerlicher Sicht stets über das ganze Vorsorgeguthaben abzurechnen. Lediglich im Rahmen eines Vorbezuges für die Wohneigentumsförderung, in gewissen Fällen der Teilpensionierung sowie beim definitiven Verlassen der Schweiz besteht die Möglichkeit, dass nur der ausgerichtete (Teil-)Betrag zur Besteuerung kommt.
  • Auszahlungen zwecks erneuten Einkaufs innert 12 Monaten sind steuerfrei. Im Gegenzug kann der Einkauf nicht vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.
  • Bei der Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit und bei Investitionen in den eigenen Betrieb sind Bezüge der Vorsorgegelder zulässig.
  • Unzulässige Auszahlungen der Vorsorgeguthaben werden mit dem übrigen Einkommen ordentlich besteuert, wenn die Auszahlung nicht ordnungsgemäss rückabgewickelt wird.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das neue KS wenig Neues enthält. Aufgrund der deutlichen Aussagen in Bezug auf die steuerliche Handhabung eines Teilkapitalbezugs wird eine gestaffelte Besteuerung folglich nur noch dann zulässig sein, wenn eine Person zwei Freizügigkeitskonten respektive zwei Freizügigkeitspolicen besitzt. Damit findet eine Angleichung der Praxis bei der Auflösung eines Säule 3a-Vorsorgeverhältnisses statt.

Gerne stehen wir Ihnen bei Fragen im Zusammenhang mit Ihrer Vorsorge zur Verfügung.

Isabelle Seiler
Lic. iur. / Dipl. Steuerexpertin