17.10.2013
Lohn oder Dividende - aktuellste Entwicklung

Im Rahmen der Unternehmenssteuerreform II wurde am 1. Januar 2009 die privilegierte Besteuerung von Dividenden eingeführt, sofern eine privat gehaltene Mindestbeteiligung von 10% am Gesellschaftskapital besteht. Im Vergleich zum Lohneinkommen werden Dividenden reduziert besteuert und sind nicht AHV-pflichtig. Auf Bundesebene werden Dividenden im Umfang von 60% und auf Kantonsebene (Freiburg) zum Satz von 50% besteuert. Es kann also durchaus steuerlich attraktiv sein, sich einen bescheidenen Lohn und dafür eine höhere Dividende auszubezahlen.
Weil die Vermögenserträge rechtlich nicht zum massgebenden Lohn gehören, führt der vermehrte Bezug von Dividenden jedoch zu einer Reduktion der Sozialversicherungsabgaben. Dies kann zu einer Benachteiligung u.a. der AHV führen. Daher prüft insbesondere die AHV-Ausgleichskasse, ob ein Missverhältnis vorliegt. Doch was sind die derzeitigen Prüfungsbedingungen und was darf umqualifiziert werden?

Ausgleichskasse kann Dividenden in AHV-pflichtigen Lohn umqualifizieren

Gestützt auf verschiedene Urteile des Bundesgerichts sind in der „Wegleitung über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO (WML)“ verschiedene Kriterien festgehalten, die für das Verhältnis von Lohn zu Dividende massgebend sind:

  • Es darf kein offensichtliches Missverhältnis zwischen der geleisteten Arbeit und dem Entgelt resp. dem eingesetzten Vermögen und dem Vermögensertrag geben.
  • Die Angemessenheit der Dividende bemisst sich am Steuerwert der Wertpapiere. Als angemessen gilt gemäss WML, wenn die gesamte Dividendenausschüttung im Verhältnis zum Steuerwert der Beteiligung weniger als 10 % beträgt. Übersteigt die Dividendenrendite diese Limite, gelten die Dividenden vermutungsweise als überhöht.
  • Sofern die Dividendenrendite grösser als 10% ist, erfolgt eine Betrachtung des massgebenden Lohnes. Die Angemessenheit des Lohnes misst sich unter anderem an Branchenvergleichen, dem Arbeitspensum, Art der Tätigkeit und Position, Verantwortungsumfang, etc. (www.lohnrechner.bfs.admin.ch).

Wenn kein oder ein unangemessen tiefer Lohn bezahlt wird, ist die Dividende als Lohn zu betrachten und wird der Lohnsumme hinzugerechnet, jedoch höstens bis zur Höhe des branchenüblichen Gehlats. Offensichtliche Lohnherabsetzungen zugunsten einer Dividendesind besonders im Fokus der AHV.

Ausnahme Substanzdividende

Trotz grundsätzlicher Bestätigung der AHV-Praxis ist die Aufrechnung aber durch das Bundesgericht im Oktober 2012 in einem Fall verwehrt worden, weil es sich um eine Substanzdividende und nicht um eine ordentliche Dividende handelte.

Das Bundesgericht beurteilte den Fall eines Alleinaktionärs. Dieser hatte in den letzten Jahren einen Lohn bezogen, der unter dem Branchendurchschnitt lag, gleichzeitig liess er sich einen grösseren Betrag als Dividende auszahlen. Die Dividendenrendite betrug in einzelnen Jahren bis zu 36%. Das Bundesgericht entschied gegen die Ausgleichskasse und verneinte eine Lohnaufrechnung. Es begründete den Entscheid damit, dass die zu beurteilenden Dividendenausschüttungen auf angehäuften Gesellschaftsgewinnen basieren, die in den 1990er-Jahren generiert wurden (Substanzdividenden). Der Alleinaktionär hatte in diesen Jahren jeweils einen branchenüblichen Lohn bezogen. Die Behörden taxierten die früher erzielten Gewinne als angemessen und somit als einen nicht der AHV unterliegenden Vermögensertrag. Somit liess sich eine Umqualifikation der Gewinne in AHV-beitragspflichtigen Lohn im Ausschüttungszeitpunkt nicht mehr rechtfertigen.

Eine Umqualifikation einer Dividende in AHV-beitragspflichtigen Lohn kann selbst dann nicht automatisch vorgenommen werden, wenn der Lohn unangemessen tief ist und die Dividendenrendite 10% überschreitet. So kann es z.B. sein, dass auf Grund einer Nachfolgeplanung hohe Dividenden ausgeschüttet werden, damit die Gesellschaft „leichter“ wird. Eine solche Dividende wäre eindeutig gesellschaftsrechtlich und nicht arbeitsrechtlich motiviert.

Lohn oder Dividende für die Altersvorsorge

Mit einer durchdachten Bezugsstrategie der Unternehmensgewinne als Lohn- und Dividendenbezüge lassen sich Steuern und Sozialabgaben einsparen, dies kann aber auch nachteilige Folgen für die Altersvorsorge haben. Hohe Lohnbezüge haben den Vorteil, dass sich die Sparbeiträge und das Potenzial für freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse erhöhen, womit gleichzeitig das steuerbare Einkommen abnimmt. Wer alle Aspekte eingehend prüft, kann sich über die Reduktion der Abgabenlast freuen und wird im Vorsorgefall nicht durch eine Einbusse der Leistungen enttäuscht.

Fazit

Nur wenn ein offensichtliches Missverhältnis von Lohn zu Dividende vorliegt und dieses nicht gesellschaftsrechtlich, sondern arbeitsrechtlich motiviert ist, besteht die Gefahr, dass eine Dividende in AHV-pflichtigen Lohn umgewandelt wird. Das optimale Verhältnis zwischen Lohn und Dividende muss im Einzelfall konkret unter Berücksichtigung der Steuer- und AHV- Folgen, der Vorsorgeplanung des Inhabers sowie des Geschäftssitzes und des Wohnortes festgelegt werden. Die Variante «Dividende» ist nicht immer vorteilhafter.

Christian Stritt
Partner, Teamleiter
Dipl. Wirtschaftsprüfer