23.02.2012
Ehegattenbesteuerung: Bundesrat will Mehrbelastung für Ehepaare beseitigen

Freiburger Nachrichten vom 23. Februar 2012

Die Revision soll vor allem zwei störende Punkte beheben: die verfassungswidrige Mehrbelastung von Zweiverdiener- und Rentnerehepaaren gegenüber Konkubinatspaaren (die sogenannte «Heiratsstrafe») und das zwischen Einverdiener- und Zweiverdienerehepaaren unausgewogene Belastungsverhältnis.
Die höhere Besteuerung der Zweiverdiener- und Rentnerehepaaren gegenüber Konkubinatspaaren ist seit langem ein Thema. Diese gesetzliche Ungleichbehandlung hat diverse Paare dazu bewogen, weiter als Konkubinats- und nicht als Ehepaar zu leben, um eine höhere Steuerbelastung zu vermeiden.

Wenn die steuerliche Mehrbelastung 10% oder mehr beträgt, widerspricht dies dem verfassungsrechtlichen Gebot der Rechtsgleichheit. Die im Jahr 2008 eingeleiteten Sofortmassnahmen brachten bereits einige wichtige Verbesserungen. Es sind aber nach wie vor – trotz der Einführung dieser Sofortmassnahmen – rund 80'000 erwerbstätige Ehepaare schlechter gestellt als Konkubinatspaare.

Zur Vermeidung der verfassungswidrigen Mehrbelastung soll eine Vergleichsrechnung – die sogenannte alternative Belastungsrechnung – vorgenommen werden:

Erster Schritt: Die Steuerbelastung wird – wie bisher – mit einer gemeinsamen Veranlagung zum geltenden Verheiratetentarif berechnet.

Zweiter Schritt: Es wird eine Art «Splitting» (alternative Steuerbelastung) vorgenommen, d.h. es werden die Erwerbs- und Pensionseinkommen den Ehegatten einzeln zugewiesen, die übrigen Erträge hälftig auf die Ehegatten aufgeteilt und der Tarif für Alleinstehende angewendet.

Dritter Schritt: Die tiefere der beiden Berechnungen wird den Ehegatten in Rechnung gestellt, damit kann die Mehrbelastung (Heiratsstrafe) in nahezu allen Fällen behoben werden.

Der Vorteil dieser alternativen Belastungsrechnung – neben der Vermeidung der Mehrbelastung – liegt darin, dass sich für die Steuerpflichtigen in administrativer Hinsicht nichts ändert. Die Steuererklärung wird weiterhin gemeinsam durch die Ehegatten ausgefüllt und die Veranlagung erfolgt ebenfalls gemeinsam. Der administrative Mehraufwand liegt daher ganz klar bei den kantonalen Steuerverwaltungen.

Michael Münger
Teamleiter
Dipl. Wirtschaftsprüfer