26.05.2011
Gefahr der Scheinselbstständigkeit

Freiburger Nachrichten vom 26. Mai 2011

Als Freelancer, auch freier oder freischaffender Mitarbeiter, wird eine Person bezeichnet, die für ein Unternehmen Aufträge ausführt, ohne dabei wie ein Arbeitnehmer im Unternehmen eingegliedert zu sein.
Der freie Mitarbeiter erhält ein Honorar, mit welchem er seine eigenen Kosten wie Versicherungen, Nebenkosten, Steuern und Sozialversicherungen selber bezahlen muss. Die AHV-Ausgleichskasse akzeptiert diese Selbstständigkeit aber nur, wenn Sie diese beweisen können.

Vielfach gehen Unternehmen fälschlicherweise davon aus, dass es sich beim Vertragspartner um einen Selbstständigerwerbenden handelt, während die Ausgleichskasse von einem Arbeitsverhältnis ausgeht. Bei Umdeutung der Stellung des freien Mitarbeiters als Arbeitnehmer und obwohl der Auftraggeber ein Honorar an diesen bezahlt, welches die Sozialversicherungsbeiträge decken sollte, führt dies dazu, dass vom Unternehmen bis zu fünf Jahren Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge) nachbezahlt werden müssen. Dies kann für ein Unternehmen hohe finanzielle Konsequenzen haben. Zudem kommt es anschliessend bei Rückforderung der Kosten vom freien Mitarbeiter oft zu Unstimmigkeiten.

Beabsichtigen Sie mit jemand als Selbstständigerwerbenden einen Vertrag einzugehen und geht die Selbstständigkeit nicht klar hervor, verlangen Sie aus eigenem Interesse vorher eine entsprechende Bestätigung der AHV-Ausgleichskasse, wonach dieser für die vorgesehene Arbeit als Selbständigerwerbender anerkannt und angemeldet ist.

Ob eine versicherte Person im Sinne der AHV selbständig erwerbend ist, wird von der Ausgleichskasse im Einzelfall geprüft. Dabei spielt es keine Rolle, wie die Parteien ihr Vertragsverhältnis benannt oder was sie über die Bezahlung der AHV-Beiträge vereinbart haben. Folgende Kriterien sprechen für eine selbstständige Erwerbstätigkeit:

Eigener Firmenname, eigene Infrastruktur, Rechnung in eigenem Namen, rechnet MWST ab, trägt eigenes wirtschaftliches Risiko, ist für mehrere Auftraggeber tätig, Beschäftigung von Personal, u.a.

Fazit: Für all jene Risiken, die Sie als Arbeitgeber beim Arbeitnehmer automatisch versichern, soll Ihnen der freie Mitarbeiter die Versicherungsnachweise bringen, ansonsten die Risiken bei Ihnen hängen bleiben, indem er nicht versichert ist und die Ausgleichskasse Sie als Arbeitgeber einstuft.

Christian Stritt
dipl. Wirtschaftsprüfer