22.09.2016
Berufsorientierte Aus- und Weiterbildung aus steuerlicher Sicht

Die steuerliche Behandlung von Aus- und Weiterbildungskosten hat ab dem Steuerjahr 2016 eine Änderung erfahren. Es wird grundsätzlich nicht mehr zwischen Aus- und Weiterbildungskosten sowie Berufsaufstiegskosten unterschieden.

Neu gelten berufsorientierte Aus- und Weiterbildungskosten als abzugsfähig, wenn folgende Kriterien eingehalten sind:

  • Die Bildungsmassnahmen erfolgen im Hinblick auf die eigene Berufstätigkeit;
  • Mit dem erlernten Wissen wird der Lebensunterhalt bestritten;
  • Die Kosten für Bildungsmassnahmen vor dem 20. Geburtstag, nur wenn bereits ein Abschluss auf Sekundarstufe II vorliegt;
  • Die Kosten für Bildungsmassnahmen nach dem 20. Geburtstag, auch wenn kein Abschluss auf Sekundarstufe II vorliegt. Ausgeschlossen sind aber jene Kosten für einen solchen ersten Abschluss auf Sekundarstufe II;
  • Maximaler Abzug für selbstgetragene Aus- und Weiterbildungskosten beträgt CHF 12‘000 pro Jahr

Berufsorientierte Aus- und Weiterbildung

Darunter versteht man sämtliche berufsorientierten Lehrgänge, die auf eine aktuelle oder zukünftige Berufstätigkeit ausgerichtet sind. Dabei kann es sich um eine selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit handeln. Auch Umschulungen gelten als berufsorientierte Aus- und Weiterbildung. Ausgeschlossen sind aber Kurse im Hobbybereich, wie bspw. Tanzkurse, Malkurse, Sportkurse, etc.

Sekundarstufe II

Darunter gehören sämtliche Diplome der beruflichen Grundausbildung und die Abschlüsse an den allgemein ausbildenden Schulen: 

  • Eidg. Berufsatteste;
  • Eidg. Fähigkeitszeugnisse;
  • Fachmittelschulen-Ausweise;
  • Matur, Fachmatur.

(nähere Umschreibung zum schweiz. Bildungssystem findet man auf der Homepage des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI)

Selbständige Erwerbstätigkeit

Im Zusammenhang mit ihrer selbständigen Erwerbstätigkeit können Selbständigerwerbende Aus- und Weiterbildungskosten als geschäftsmässig begründete Kosten in Abzug bringen. Die betragsmässige Begrenzung besteht nicht.

Vom Arbeitgeber getragene Kosten

Trägt der Arbeitgeber die gesamten Kosten, darf die steuerpflichtige Person in ihrer privaten Steuererklärung keine Abzüge für berufsorientierte Aus- und Weiterbildung mehr gelten machen. Die vom Arbeitgeber getragenen Kosten stellen grundsätzlich keinen steuerbaren Lohn oder geldwerte Leistungen dar. Vorbehalten bleibt, je nach Art der Bezahlung, eine entsprechende (nicht steuerwirksame) Deklaration auf dem Lohnausweis.

Drei Beispiele

Beispiel 1:

Arbeitnehmer A trägt alle Kosten selber: Er kann jedes Jahr CHF 12'000 abziehen. CHF 8'000 können jeweils nicht in Abzug gebracht werden.

Beispiel 2:

Arbeitnehmer B übergibt alle Rechnungen dem Arbeitgeber zur Bezahlung: Er hat in diesen drei Jahren kein zusätzliches Enkommen zu versteuern und kann keinen Abzug geltend machen.

Beispiel 3:

Arbeitnehmer C trägt einen Teil der Kosten (CHF 10'000) selber, einen Teil übernimmt der Arbeitgeber (CHF 10'000): Er kann für die selbstgetragenen Kosten den Abzug von CHF 10'000 geltend machen. Für die vom Arbeitgeber getragenen Kosten muss er kein zusätzliches Einkommen versteuern.

Quelle: Auszug aus MB 13 der Steuerverwaltung des Kantons Bern


Mit der Einführung dieser neuen gesetzlichen Regelung wurden die steuerlichen Abgrenzungskriterien bezüglich Aus- und Weiterbildung dem Berufsbildungsgesetz angepasst und in Einklang gebracht.

Für eine Optimierung und steuerlich korrekte Deklaration der berufsorientierten Aus- und Weiterbildungskosten stehen wir gerne zur Verfügung.

Claudine Meichtry

Dipl. Steuerexpertin
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