19.05.2016
Inhaberaktien

Meldepflichten für Aktionäre und GmbH Inhaber

Für Aktiengesellschaften (AG), deren Aktien nicht an der Börse gehandelt werden, sowie für GmbHs und Genossenschaften gelten seit dem 1. Juli 2015 neue Meldepflichten.

Erwerb von Inhaberaktien ist meldepflichtig

Wer von einer AG Inhaberaktien erwirbt, muss diesen Erwerb der Gesellschaft innert Monatsfrist anzeigen (Nachweis Aktienbesitzes, Personalien, Ausweiskopie). Personen, die am 1. Juli 2015 Inhaberaktien hielten, mussten diese Meldung bis am 31. Dezember 2015 vorgenommen haben. Ist die Meldung nicht erfolgt, sollte dies umgehend nachgeholt werden, da sonst die Mitgliedschafts- und Vermögensrechte ruhen.

Meldepflicht der wirtschaftlich berechtigten Personen

Besitzt ein Aktionär allein oder in Absprache mit anderen Aktionären 25% oder mehr des Aktienkapitals bzw. der Stimmen, ist der Gesellschaft innert Monatsfrist Name und Adresse der natürlichen Person mitzuteilen, für die letztendlich gehandelt wird. Diese Meldepflicht gilt für Inhaber-, Namenaktionäre und für Eigentümer von GmbH-Stammanteilen.

Verzeichnis der Inhaberaktionäre und der wirtschaftlich berechtigen Personen

AGs mit Inhaberaktien haben neu ein Verzeichnis über ihre Aktionäre zu führen. Darin müssen der Vor- und Nachname, die Firma, die Adresse, die Staatsangehörigkeit und das Geburtsdatum der Inhaberaktionäre sowie die Anzahl der gehaltenen Inhaberaktien aufgezeichnet werden.

Alle AGs und GmbHs müssen neu ein Verzeichnis für die ihr gemeldeten, wirtschaftlich berechtigten Personen mit einem Anteil ab 25% führen. Dieses Verzeichnis kann als zusätzliche Rubrik in das Aktienbuch, das Verzeichnis der Inhaberaktionäre oder das Anteilbuch bei GmbHs integriert werden.

Genossenschafterverzeichnis

Genossenschaften haben ein Verzeichnis zu führen, das Vor- und Nachname bzw. Firma und die vollständige Adresse der Genossenschafter enthält.

Aufbewahrungspflicht

Die Verzeichnisse müssen so geführt werden, dass jederzeit darauf zugegriffen werden kann. Die Belege müssen während 10 Jahren nach der Streichung der Person aus dem Verzeichnis aufbewahrt werden. Das Aktienbuch, die Geschäftsbücher und die Verzeichnisse müssen während 10 Jahren nach der Löschung der Gesellschaft aufbewahrt werden.

Folgen der Pflichtverletzung

Erfüllt ein Gesellschafter seine Meldepflicht nicht, ruhen seine Mitgliedschafts- und Vermögensrechte. Die Verwaltung stellt sicher, dass diese Gesellschafter nicht an der General- bzw. Gesellschafterversammlung teilnehmen. Die säumigen Gesellschafter sind solange nicht stimmberechtigt und haben keinen Anspruch auf Dividende, bis sie ihren Meldepflichten nachgekommen sind.

Fazit

Aufgrund der neuen Meldepflichten fällt die Anonymität als Hauptvorteil der Inhaberaktie weg. Jede AG mit Inhaberaktien sollte deshalb prüfen, ob diese nicht in Namenaktien umgewandelt werden sollten. Für die Umwandlung genügt neu die Mehrheit der an der Generalversammlung abgegebenen Stimmen.

Quelle: Treuhand Suisse, Ausgabe 1/2016

Christian Stritt
Partner, Teamleiter
Dipl. Wirtschaftsprüfer

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