19.04.2016
Steuerliche Vorteile bei der flexiblen Gestaltung der Erwerbstätigkeit von älteren Mitarbeitern

Anfangs 2011 wurden die vorsorgerechtlichen Vorschriften in Kraft gesetzt, welche die Arbeitsmarktbeteiligung älterer Mitarbeiter bezweckten. Seither haben sich steuerliche Praxen entwickelt, damit die vorsorgerechtlichen Massnahmen steuerlich keine Nachteile bewirken.

Anhand der folgenden beiden Beispiele sollen zwei häufig anzutreffende Sachverhalte dargestellt werden (Praxis Kanton Bern).

Beispiel 1

Herr Vogelsang ist 60 Jahre alt und arbeitet zu 100%. Er möchte sein Arbeitspensum auf 70% reduzieren, um sich vermehrt seinem Hobby widmen zu können. Herr Vogelsang möchte seinen bisherigen Verdienst von CHF 90‘000 weiterversichern. Ein Jahr später reduziert er sein Pensum um weitere 30%.

  • Sofern das Reglement seiner Pensionskasse die Möglichkeit der Weiterversicherung vorsieht, kann er sein Arbeitspensum auf 70% bis zum Erreichen des ordentlichen Rentenalters  bei voller Versicherung reduzieren, da die Reduktion insgesamt nicht über 50% beträgt.
  • Werden die Beiträge des Arbeitgebers nicht weiterhin vom Arbeitgeber übernommen, ist Herr Vogelsang berechtigt, sämtliche von ihm bezahlten Beiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge) an die Pensionskasse vom steuerbaren Einkommen in Abzug zu bringen.
  • Weiter hat Herr Vogelsang die Möglichkeit, weitere Einkäufe auf der Basis seines versicherten Lohnes von CHF 90‘000 zu tätigen, obwohl er einen AHV-pflichtigen Lohn von CHF 63‘000 erzielt (70%).
  • Die Reduktion ein Jahr später um weitere 30% führt dazu, dass die Weiterversicherung des bisherigen Lohnes nicht mehr möglich ist. Dies, weil die Reduktion des Lohnes insgesamt über 50% beträgt.

Beispiel 2

Herr Gerber ist 60 Jahre alt und arbeitet zu 100%. Er möchte etwas kürzer treten und vereinbart mit seinem Arbeitgeber, dass er sich per 1. Juni 2016 im Umfang von 30% teilpensionieren lässt. Im Juni 2017 wird er sich in einem weiteren Schritt im Umfang von 30% teilpensionieren, um dann im Sommer 2018 endgültig in Pension zu gehen. Er wird seine Altersleistungen in Kapitalform beziehen.

  • Obwohl die teilweise Pensionierung im Vorsorgerecht nicht ausdrücklich geregelt ist, anerkennt die Steuerverwaltung des Kantons Bern eine schrittweise Pensionierung, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:
      • Massgebliche, dauerhafte Reduktion des Beschäftigungsgrades
      • Entsprechende Reduktion des Lohnes
      • Bezug von Altersleistungen muss dem Ausmass der Reduktion des Beschäftigungsgrades entsprechen
      • Teilpensionierung und ihre Voraussetzungen müssen im Reglement verankert sein
  • Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, werden die Kapitalleistungen bei der Besteuerung nicht zusammengerechnet, womit die Besteuerungsprogression gebrochen werden kann.
  • Die Steuerverwaltung des Kantons Bern akzeptiert lediglich drei Kapitalleistungen bei einer jeweiligen Reduktion des Beschäftigungsgrades um mindestens 20% pro Teilpensionierungsschritt. Damit ist die hier vorgesehene Teilpensionierung möglich.
  • Eine Weiterversicherung des vollen Lohnes ist vorliegend ausgeschlossen. Herr Gerber kann sich nach jedem Teilpensionierungsschritt nur noch auf dem effektiv erzielten Lohn versichern. Bei einer Teilpensionierung wird ein Teil der Altersleistung bezogen und der Vorsorgefall gilt als eingetreten. 

Anhand dieser beiden Beispiele wird ersichtlich, dass die Reduktion des Arbeitspensums bei älteren Mitarbeitern und entsprechend guter Planung nebst den persönlichen Vorteilen auch steuerlich interessant sein kann. Gerne stehen wir Ihnen für eine individuelle Beratung zur Verfügung.

Isabelle Seiler
Lic.iur./dipl. Steuerexpertin

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