06.11.2015
Erfolgsfaktoren einer KMU-Unternehmensbewertung

Die Bewertung dient in einem Verkaufs- oder Nachfolgeprozess dazu, Unter- und Obergrenze des möglichen Preises zu definieren. Die Transaktionssumme ist dann bekanntlich Verhandlungssache.

Richtige Wahl der Bewertungsmethode

Die traditionellen und oft angewendeten Bewertungsmethoden (Substanzwert-, Ertragswert-, Praktikermethode) sind zwar relativ einfach zu rechnen und eher verständlich, doch berücksichtigen diese verschiedene Aspekte nur ungenügend (z.B. Fokus auf Vergangenheit und auf Gewinn anstelle Cashflow, keine Berücksichtigung der Planzahlen und des künftigen Investitionsverhaltens).

In den vergangenen Jahren ist im KMU-Bereich ein klarer Trend zu moderneren Bewertungsmethoden feststellbar, insbesondere zur Discounted-Cash-Flow Methode (DCF). Obwohl die Budgetierung der Cashflows, die Bestimmung der Kapitalkosten und das Abschätzen des künftigen Wachstums mit Unsicherheiten verbunden sind, lohnt sich eine DCF-Bewertung. Da sie als Nutzen nicht nur das Resultat liefert, sondern eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Businessplan, den Planzahlen und ein Verstehen der Werttreiber im Betrieb erfordert. Auch werden das Investitionsverhalten und die Tatsache berücksichtigt, dass wachsende Unternehmen Mittel ins Netto-Umlaufvermögen investieren müssen. Diese Aspekte gehen mit traditionellen Methoden völlig unter.

Erfahrung und Interpretation

Die Wahl des Bewertungsmodells ist für die resultierende Grösse vorentscheidend. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie ein bestimmtes Modell funktioniert, welche Parameter berücksichtigt werden und ob diese für das eigene Unternehmen vorteilhaft aussehen. So resultiert etwa bei der Praktikermethode in gewissen Fällen eine systematische Überbewertung.

Eine professionelle Bewertung ist weit komplexer als das einfache Ausfüllen von Tools mit Zahlenmaterial. Jede Bewertung ist einzigartig und bedarf einer detaillierten Auseinandersetzung mit den Besonderheiten des jeweiligen Unternehmens, z.B.:

  • Einfluss auf Umsatz des bisherigen Eigentümers
  • Analyse der Kundenumsätze (Klumpenrisiko)
  • Abbildung von Leasingtransaktionen
  • vertragliche Situationen (Vertragsdauer, Bürgschaften, Abnahmeverpflichtungen, spezielle Mitarbeiterverträge, etc.)
  • Wertfindung von Geschäftsliegenschaften (Verkehrswert / Nutzwert)
  • Umwelteinflüsse (Mitbewerber, Produkte-Pipeline)
  • kritische Beurteilung der Planzahlen auf Kongruenz (ER, Bilanz, Investitionen)
  • kritische Beurteilung des Residualwertes (kein stetiges Wachstum, Abschreibungen, Investitionen, u.a.)

Diese und weitere Punkte müssen nach intensiven Gesprächen Einfluss in das Zahlenmaterial finden und als Grundlage für eine seriöse Unternehmensbewertung berücksichtigt werden.

Eigenheiten von KMU

Zudem sind Besonderheiten von KMU bei allen Methoden entsprechend zu berücksichtigen:

  • klare Abgrenzung des Bewertungsobjektes (klare Trennung zwischen Privat-, Geschäftsvermögen und nicht betriebsnotwendigen Vermögenswerten).
  • Vergangenheitszahlen sind sorgfältig zu bereinigen, da die Jahresabschlüsse oft auf die Steueroptimierung ausgerichtet sind.
  • sorgfältige Beurteilung von Bewertungsreserven, latenten Steuern und a.o. Transaktionen.

Emotionale Aspekte

Die Praxis zeigt, dass Unternehmer den Wert ihrer Unternehmung oft überschätzen, da dieser oft von emotionalen Aspekten, wie Verantwortung für Mitarbeitende, Eigenleistung beim Unternehmensaufbau, Familientradition und finanzielle Sicherheit wesentlich beeinflusst wird. Für den Käufer haben solche Aspekte kaum einen finanziellen Wert und werden somit in der Regel auch nicht entschädigt.

Schlussfolgerung

Die Erfahrung zeigt, dass eine Kombination mehrerer Methoden die Bewertungssicherheit erhöht. Die DCF-Methode steht bei KMU vermehrt im Vordergrund. Der Aufwand, sich im Detail mit dem Businessplan der Unternehmung auseinander zu setzen, ist aufgrund der Risiken gerechtfertigt. Die DCF-Methode sollte jedoch anhand der traditionellen Methoden zumindest plausibilisiert werden. Die Unterschiede in den Resultaten der verschiedenen Methoden müssen anschliessend sorgfältig analysiert und interpretiert werden.

Christian Stritt
Dipl. Wirtschaftsprüfer