21.05.2015
Bilanzierung von nicht fakturierten Dienstleistungen

Für die Bilanzierung von Aufträgen in Arbeit bei Dienstleistungsunternehmen existierte bisher keine gesetzliche Regelung. In der Praxis durfte man die nicht fakturierten Dienstleistungen aktivieren, ein Zwang bestand jedoch nicht. Mit der Einführung und der erstmaligen verbindlichen Anwendung des neuen Rechnungslegungsrechts (nRLG) ab 1.1.2015 wird sich diese Praxis ändern.
Die aufgelaufenen Kosten noch nicht fakturierter Dienstleistungen stellen gemäss nRLG Vorräte dar und sind buchhalterisch entsprechend zu behandeln. Die nicht fakturierten Dienstleistungen sind neu und als separate Position zwingend in der Jahresrechnung zu bilanzieren und sind buchhalterisch höchstens zu Herstellungskosten zu bewerten. Zu aktivieren sind die bis zum Stichtag auf noch nicht fakturierte Dienstleistungen entfallenden Selbstkosten. Diese können etwa das aufgelaufene Zeithonorar, z.B. externe Stundensätze bereinigt um einen Gewinnanteil, abzüglich eines Einschlages für die Verwaltungsgemeinkosten umfassen. In der Folge ist zu prüfen, ob dieser Betrag unter Berücksichtigung noch anfallender Kosten realisiert werden kann; andernfalls ist eine Wertberichtigung vorzunehmen.

Im Zeitpunkt der ersten Anwendung kann ein unerfreulicher Steuereffekt entstehen: Die erstmalige Bilanzierung nicht fakturierter Dienstleistungen führt zu steuerbarem Ertrag, obwohl kein einziger Franken mehr auf dem Bankkonto liegt. Die Umstellung ist ein rein buchhalterischer Vorgang und hat zur Folge, dass Erträge, die bisher in der Jahresrechnung erst bei Zahlungseingang berücksichtigt wurden, zeitlich früher erfolgswirksam erfasst werden.

Für das Steuerrecht gilt das Massgeblichkeitsprinzip, wonach der handelsrechtliche Jahresabschluss Basis für die Steuererhebung ist. Jedoch gestattet das steuerliche Periodizitätsprinzip grundsätzlich keine beliebigen Tieferbewertungen. Die meisten Kantone gewähren für Vorräte eine steuerrechtliche Pauschalwertberichtigung. Obwohl handelsrechtlich wie Vorräte zu behandeln, werden nicht fakturierte Dienstleistungen steuerlich jedoch getrennt beurteilt. Die Kantone Bern und Freiburg sehen keine Pauschalwertberichtigung für nicht fakturierte Dienstleistungen vor.

Vor diesem Hintergrund ist die konkrete Bewertung der noch nicht fakturierten Dienstleistungen entscheidend. Aufgrund der Bewertungsschwierigkeiten im Einzelfall, besteht aus handelsrechtlicher Sicht ein gewisser Spielraum. Aus steuerlicher Sicht sollten nur bei eindeutig zu tiefer Bewertung oder bei vollständigem Weglassen dieser Position Korrekturen erfolgen.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Bilanzierung und Bewertung nicht fakturierter Dienstleistungen.

Christian Stritt
Partner, Teamleiter
Dipl. Wirtschaftsprüfer