25.04.2013
Der Rangrücktritt

Der Rangrücktritt ist in schwierigen Zeiten ein Instrument um eine Unternehmung vor dem Konkurs zu bewahren: Art. 725 Abs. 2 OR gibt dem Verwaltungsrat die Möglichkeit, trotz festgestellter Überschuldung seiner Gesellschaft auf die Benachrichtigung des Richters zu verzichten, sofern Gesellschaftsgläubiger im Ausmass dieser Unterdeckung im Rang hinter alle anderen Gesellschaftsgläubiger zurücktreten".
Mit dem Rangrücktritt stundet der Gläubiger seine Forderung, solange Forderungen Dirtter gegen die Gesellschaft durch Aktiven nicht vollständig gedeckt sind. Der Zinslauf wird durch den Rangrücktritt weder gehemmt, noch unterliegen die Zinsen automatisch ebenfalls dem Rangrücktritt. Im Insolzvenzfall des Schuldners bewirkt der Rangrücktritt nach neuer Praxis einen definitiven Verzicht auf die rangrücktrittsbelastete Forderung.

Form und Inhalt der Rangrücktrittsvereinbarung sind für deren Gültigkeit massgebend: So soll der Rangrücktritt zeitlich unbefristet abgeschlossen werden, muss unwiderruflich ausgestaltet und darf an keine Bedingungen geknüpft sein. Der Rangrücktritt muss auch in quantitativer Hinsicht genügend sein, d.h. er muss mindestens im Ausmass der Unterdeckung (Fremdkapitalüberhang) oder besser bis zur Deckung der Hälfte des Aktienkapitals festgelegt werden, wobei ein angemessenes Sicherheitspolster einberechnet werden muss. Ob dieser Entscheid auf der Basis einer Bilanz zur Fortführungs- oder zu Liquidationswerten zu erfolgen hat, ist vom Einzelfall abhängig. Wichtig für die Gültigkeit des Rangrücktrittes ist ebenfalls die Bonität des Gläubigers selber, ansonsten Anfechtungsklagen drohen.

Eine Tilgung oder Verrechnung der rangrücktrittsbelasteten Schuld ist nach neuer Praxis nicht mehr formlos möglich, sondern erst dann, wenn in einem separaten Revisionsbericht (bei Situation eingeschränkter Revision oder Verzicht auf Revisionsstelle) bestätigt wird, dass unter Berücksichtigung aller im Rang zurückgestellter Forderungen sämtliche Verbindlichkeiten der Gesellschaft durch Aktiven gedeckt sind. Wird die Gesellschaft sogenannt "ordentlich" geprüft, so genügt es, wenn der Bericht der Revisionsstelle ohne Erwähnung von Art. 725 Abs. 2 OR vorliegt.

Markus Jungo
Partner, Teamleiter
Dipl. Wirtschaftsprüfer