26.04.2012
Liquidation einer Einzelfirma

Grundsätzlich galt – vor der Inkraftsetzung der Unternehmenssteuerreform II - bei der Liquidation einer Einzelfirma, dass sämtliche realisierten stillen Reserven (Verkaufspreis/Liquidationswert höher als der entsprechende Buchwert) der Einkommenssteuer und auch der AHV unterlagen. In der Vergangenheit hiess das oft eine hohe Abgabebelastung für den Einzelunternehmer und erschwerte damit eine mögliche Nachfolgeregelung beträchtlich.
Mit der Inkraftsetzung der Unternehmenssteuerreform II per 1. Januar 2011 (Direkte Bundessteuer und Steuerharmonisierungsgesetz) resp. per 1. Januar 2009 (Gesetz über die direkten Kantonssteuern des Kantons Freiburg) versuchte der Gesetzgeber eine Lücke zu schliessen, welche schon seit Jahren bekannt war. Dabei sah er verschiedene Möglichkeiten vor, die Liquidationsbesteuerung zu mildern:

Steueraufschub der stillen Reserven bei Überführung einer Geschäftsliegenschaft ins Privatvermögen

Oft ist der/die Nachfolger/in nicht in der Lage neben dem Betrieb auch eine Geschäftsliegenschaft zu finanzieren, so dass sich eine Trennung der Geschäftsliegenschaft vom übrigen Betrieb aufdrängt. Damit der Verkäufer, der die Geschäftsliegenschaft in sein Privatvermögen überführt, nicht auch noch über den Wertzuwachs im Zeitpunkt der Überführung steuerlich und ahv-rechtlich abrechnen muss, wird in der Differenz zwischen dem Verkehrswert und den Anlagekosten die Steuern und damit auch die AHV aufgeschoben. D.h. es muss nur auf den früher vorgenommenen Abschreibungen Einkommenssteuer und AHV bezahlt werden.

Wird das Grundstück aber in späteren Jahren dann effektiv verkauft, ist nachträglich über den gesamten Wertzuwachs bei der Einkommenssteuer und der AHV abzurechnen (Steueraufschub)

Die Verpachtung eines Geschäftsbetriebes gilt nur auf Antrag als Überführung ins Privatvermögen

Vor der Einführung der Unternehmenssteuerreform II galt grundsätzlich eine definitive Verpachtung eines Geschäftsbetriebes als Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit und Überführung sämtlicher Aktiven und Passiven ins Privatvermögen (Abrechnung über die stillen Reserven im Zeitpunkt der Verpachtung).

Neu wird auch bei einer definitiven Verpachtung des Geschäftsbetriebes die selbständige Erwerbstätigkeit weiterhin angenommen und erst bei einem allfälligen Verkauf der Einzelfirma über die tatsächlich realisierten stillen Reserven abgerechnet.

Die Gewinne aus Verpachtung werden daher als selbständige Erwerbseinkommen besteuert und unterliegen ebenfalls der AHV.

Privilegierte Besteuerung der Liquidationsgewinne

Die Privilegierung der Liquidationsgewinne erfolgt, wenn die selbständige Erwerbstätigkeit definitiv aufgegeben wird, die steuerpflichtige Person das vollendete 55. Altersjahr erreicht hat oder infolge Invalidität die selbständige Erwerbstätigkeit aufgeben muss.

Der Liquidationsgewinn umfasst die im Liquidationsjahr und im Vorjahr realisierten stillen Reserven, abzüglich diverse im Gesetz vorgesehenen Abzüge.

Für die direkte Bundesteuer ist ein Fünftel des ordentlichen Einkommenssatzes für den Liquidationsgewinn massgebend. Der Steuersatz beträgt jedoch mindestens 2 Prozent. Die Kantone treffen ihre eigenen Regelungen hinsichtlich des privilegierten Steuersatzes (Kanton Freiburg: 20% des ordentlichen Einkommenstarifes, mind. aber 6 Prozent).

Dagegen kennt aber die AHV keine Privilegierung für solche Liquidationsgewinne.

Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung für Fragen rund um die interne Jahresrechnung.

Claudine Meichtry
Teamleiterin Steuern
Dipl. Steuerexpertin