30.06.2011
Ferien

Freiburger Nachrichten vom 30. Juni 2011

Der Ferienanspruch der Arbeitnehmenden ist im Obligationenrecht (OR Art. 329 ff.) geregelt.
Es besteht ein gesetzlicher Anspruch auf vier Wochen bezahlte Ferien pro Jahr. Für Lehrlinge und Jugendliche beträgt dieser Anspruch bis zum vollendeten 20. Altersjahr fünf Wochen. Teilzeitangestellte und Arbeitnehmende, welche einer unregelmässigen Arbeit im Stundenlohn nachgehen, haben den gleichen Ferienanspruch wie Vollzeitangestellte.

Durch GAV oder betriebliche Praxis wird der Anspruch vielfach auf fünf Wochen ab dem 45. oder 50. Altersjahr und auf sechs Wochen ab dem 60. Altersjahr erweitert. Ausser bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses dürfen Ferienansprüche nicht bar abgegolten werden.

Der Arbeitgeber kann den Ferienanspruch kürzen, wenn Arbeitnehmende während längerer Zeit an der Arbeitsleistung verhindert sind, z. B. infolge Krankheit, Unfall usw. Erkranken hingegen Arbeitnehmende während den Ferien, dürfen sie die Tage, während denen sie ärztlich krankgeschrieben wurden, nachbeziehen. Allerdings muss sich die Erkrankung während einer Reihe von Tagen hinziehen, einzelne Tage vorübergehender Unpässlichkeit genügen dazu nicht.

Die Ferien sind im Verlauf des betreffenden Dienstjahres zu gewähren. Wenigstens zwei Wochen müssen zusammenhängend bezogen werden. Der Arbeitgeber bestimmt den Zeitpunkt des Ferienbezuges. Er muss aber auf die Wünsche der Arbeitnehmenden soweit Rücksicht nehmen, als dies mit den Interessen des Betriebes vereinbar ist. Er hat das Recht, Betriebsferien anzuordnen. Den Zeitpunkt für mindestens eine Ferienwoche sollten aber die Arbeitnehmenden selber festlegen können.

Ein eigenmächtiger Ferienbezug oder eine eigenmächtige Ferienverlängerung durch Arbeitnehmende kann zu einer (eventuell sogar fristlosen) Entlassung führen. Können Ferien bis Ende Jahr nicht vollständig bezogen werden, wird der Anspruch ins nächste Jahr übertragen. Nicht bezogene Ferienansprüche verjähren erst nach fünf Jahren.

Die Arbeitnehmenden müssen während den Ferien genau gleich entlohnt werden, wie wenn sie arbeiten würden. Nebst dem fixen Grundlohn sind auch regelmässige, monatlich ausbezahlte Lohnzulagen wie z. B. für Schichtarbeit zu bezahlen. Bei unregelmässigen Arbeitspensen muss der durchschnittlich verdiente Monatslohn der letzten zwölf Monate ausbezahlt werden.

Bei kleinen, unregelmässigen Arbeitspensen kann der Arbeitgeber auch einen Lohnzuschlag auf jede Arbeitsstunde entrichten. Er hat diesen prozentual oder betragsmässig sowohl im Arbeitsvertrag wie auch in der Gehaltsabrechnung separat aufzuführen. Der Lohnzuschlag beträgt bei vier Ferienwochen 8.33%, bei fünf 10.64%.

Elmar Schafer
Fachmann im Finanz- und Rechnungswesen mit eidg. Fachausweis