29.09.2011
Ersatzbeschaffungen

Freiburger Nachrichten vom 29. September 2011

Hin und wieder kommt es im Verlaufe der Geschäftstätigkeit vor, dass für betriebliches Anlagevermögen ein Ersatz beschafft werden muss. Dabei kann beim Verkauf des alten Anlagegutes ein Gewinn entstehen, welcher grundsätzlich zu versteuern ist. Unter gewissen Umständen kann jedoch ein teilweiser oder sogar vollständiger Steueraufschub erwirkt werden.
Wie immer, wenn es um Steuerersparnisse geht, erfolgt der Mechanismus der Ersatzbeschaffung nicht von Amtes wegen, sondern muss aktiv beantragt werden, sei es mit der entsprechenden Abbildung in der Buchhaltung, sei es mit einem Antrag für selbstgenutzte Wohn- und/oder Betriebsliegenschaften.

Die Gewährung der Ersatzbeschaffung ist jedoch an einige Bedingungen geknüpft: So muss es sich sowohl beim veräusserten als auch beim neu angeschafften Objekt um betriebliches Anlagevermögen handeln, d.h. das Anlagevermögen muss unmittelbar dem Betrieb dienen. Es gibt allerdings gewisse Kantone, die das Betriebserfordernis nur an das neu angeschaffte Objekt knüpfen. Ausgeschlossen sind Vermögensobjekte, die nur der Anlage dienen. Bei qualifizierten Beteiligungen ist eine Ersatzbeschaffung unter Umständen jedoch wiederum möglich.

Seit 1. Januar 2011 muss das neue Anlagegut auch nicht mehr die gleiche Funktion wie das verkaufte erfüllen. Ausgeschlossen bleibt jedoch nach wie vor eine Übertragung der stillen Reserven einer Liegenschaft auf bewegliches Anlagevermögen. Zudem sollte der Kaufpreis der neuen Anlage höher als der Verkaufspreis der alten Anlage sein. Ist dem nicht so, kommt lediglich ein teilweiser oder gar kein Steueraufschub in Frage. Die Berechnung des teilweisen Steueraufschubes kann von Kanton zu Kanton unterschiedlich erfolgen.

Es ist nicht notwendig, dass das neue Anlagegut unmittelbar nach dem Verkauf des alten erstanden wird. Auch eine Verschiebung über das Geschäftjahr hinaus ist möglich. In diesem Fall ist eine Rückstellung zu bilden. Diese Rückstellung muss dann innert einer angemessenen Frist, in der Regel innert 2 Jahren (unterschiedliche Praxis in den Kantonen), wieder aufgelöst werden; dies entweder zur Abschreibung der neuen Anlage oder über die Erfolgsrechnung. Sollte sich die Ersatzbeschaffung aufgrund äusserer Einflüsse verzögern, kann unter Umständen mit der Steuerverwaltung eine Lösung gefunden werden. Das gilt insbesondere für Liegenschaften. Umgekehrt kann die neue Anlage auch vor dem Verkauf der alten erworben werden.

Privatpersonen können ebenfalls von der Möglichkeit einer Ersatzbeschaffung profitieren. Analog dem betrieblichen Vermögen ist eine Wiederanlage des Verkaufserlöses auch über die Kantonsgrenzen (jedoch nicht Landesgrenzen) hinaus möglich, sofern die Liegenschaft wieder vollumfänglich selbstgenutzt wird. Der Entscheid über die Gewährung der Ersatzbeschaffung steht grundsätzlich demjenigen Kanton zu, in welchem sich die veräusserte Liegenschaft befindet.

Michael Buchs
Dipl. Wirtschaftsprüfer