28.04.2017
Ein neues Rechnungslegungsmodell für die Gemeinden

Für öffentlich-rechtliche Körperschaften gelten spezielle Vorschriften bezüglich der Rechnungslegung.

Das heute praktizierte HRM1 (Harmonisiertes Rechnungslegungsmodell) stammt aus den 80-iger Jahren. Parallel zur steten Weiter-Entwicklung der Rechnungslegung für Gesellschaften wurden auch für den öffentlichen Sektor die Ansprüche an Transparenz und Harmonisierung immer grösser. Im Jahr 2003 beauftragte deshalb die Kantonale Finanzdirektorenkonferenz eine Fachgruppe mit der Ausarbeitung eines neuen Rechnungslegungsmodells. Im 2008 wurde das HRM2 sowie ein entsprechendes Handbuch mit 20 Fachempfehlungen genehmigt und den Kantonen empfohlen, dieses innert 10 Jahren umzusetzen.

Ziele von HRM2:

„True-and-fair-view" Prinzip: Die Rechnungslegung soll ein Bild des Finanzhaushaltes geben, welches „möglichst weitgehend" der tatsächlichen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage entspricht. Die Jahresrechnung soll nach betriebswirtschaftlichen Prinzipien erstellt werden und sich an die internationalen Rechnungslegungsstandards für öffentliche Verwaltungen und Betriebe (IPSAS) anlehnen. Dies soll Behörden und Bürgern eine bessere Einschätzung der Finanzlage ermöglichen und damit eine bessere Grundlage für Führungsentscheide bieten.

Harmonisierung: Die Rechnungslegung unter den Kantonen und Gemeinden soll möglichst weit harmonisiert und somit vergleichbar werden.

Die wichtigsten Neuerungen von HRM2:

  • Neuer Kontenplan und eine angepasste funktionale Gliederung
  • Dreistufige Erfolgsrechnung
  • Einführung einer Anlagebuchhaltung und lineare Abschreibung der Anlagen nach betriebswirtschaftlicher Nutzungsdauer
  • Geldflussrechnung
  • Erweiterung des Anhangs (Bewertungsprinzipien, Aktivierungsgrenzen, Eigenkapitalnachweis, Rückstellungs- und Gewährleistungsspiegel, Beteiligungs- und Anlagespiegel)

Umstellung von HRM1 auf HRM2:

Das Finanzvermögen (FV umfasst alle Vermögenswerte, die ohne Beeinträchtigung der Erfüllung öffentlicher Aufgaben veräussert werden können; Bsp. Renditeliegenschaft) muss auf der Basis betriebswirtschaftlicher Verkehrswerte neu bewertet werden. Das Konto "Neubewertungsreserve" dient dazu, dass Auf- oder Abwertungen des FV im Zeitpunkt der Neubewertung nicht erfolgswirksam sind.

Das Verwaltungsvermögen (VV enthält die Vermögenswerte, die unmittelbar der Erfüllung öffentlicher Aufgaben dienen und die nicht veräussert werden können, ohne die Wahrnehmung der Aufgabe zu beeinträchtigen; Bsp. Schulhaus) soll ebenfalls im Zeitpunkt der Umstellung auf HRM2 neu bewertet werden. Das Konto "Aufwertungsreserve" dient dazu, dass Auf- oder Abwertungen des VV im Zeitpunkt der Neubewertung nicht erfolgswirksam sind. Die Aufwertungsreserve des VV soll innert 10 Jahren aufgelöst sein.

Die Rückstellungen und die Rechnungsabgrenzungsposten werden ihrerseits vervollständigt und neu bewertet. Bei der ersten Bilanzierung müssen die allfälligen nicht gerechtfertigten Rückstellungen und Rechnungsabgrenzungsposten in die Eigenmittel übertragen werden.

Umsetzung von HRM2 im Kanton Freiburg:

Seit mehreren Jahren fungiert die Stadt Murten als Pilot-Gemeinde für das HRM2-Modell. Der Kanton Freiburg hat seine Rechnungslegung im Jahr 2011 auf HRM2 umgestellt. Die Einführung von HRM2 für alle Gemeinden ist für das Jahr 2020 vorgesehen.

Damit die Umsetzung auf HRM2 gelingt, ist es von Seiten der Gemeinden notwendig, frühzeitig fehlende Basisinformationen (Bsp. Inventare) aufzuarbeiten, sich mit den nötigen Informationen vertraut zu machen und ein gutes Projektmanagement vorzubereiten.

Von politischer Seite bedingt die Einführung von HRM2 eine Anpassung des Gemeindegesetzes, welches  aus dem Jahr 1980 stammt. Der Vorentwurf zum Gesetz über den Finanzhaushalt der Gemeinden wurde im Oktober 2016 in die Vernehmlassung geschickt. Dieses Gesetz soll Ende 2017 vom Staatsrat verabschiedet werden und für Ende 2018 sind die Verordnung und ergänzende Weisungen geplant.

Von Seiten des Amtes für Gemeinden werden zu gegebener Zeit konkrete Musterdokumente und Schulungen notwendig sein.

In der Umsetzung von HRM2 werden den Kantonen und den Gemeinden diverse Freiräume und gewisse Wahlmöglichkeiten gegeben. Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten auf eine möglichst getreue Umsetzung von HRM2 hinarbeiten, ansonsten der Nutzen dieses neuen Rechnungsmodells nicht ausgeschöpft wird. 

Markus Jungo
Dipl. Wirtschaftsprüfer, Partner

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