27.04.2017
Überstunden versus Überzeit?

In den meisten Unternehmen sind die Auftragsbücher nicht konstant gleich gut gefüllt. Entsprechend variiert der nötige Arbeitseinsatz.

Übersteigt die zu bewältigende Menge an Arbeit die verabredete, übliche, durch Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag festgelegte Soll-Arbeitszeit, ist der Arbeitnehmer soweit verpflichtet diesen Mehraufwand zu bewältigen, als er dies zu leisten im Stande ist und sie ihm nach Treu und Glaube zugemutet werden kann. Grundsätzlich müssen Überstunden resp. Überzeit nur geleistet werden, wenn sie betrieblich notwendig sind. Häufige Gründe dafür sind krankheitsbedingte Ausfälle, Betriebsstörungen oder Jahresabschlüsse.

Nachstehend die Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen Überstunden und Überzeit:

Überstunden sind im schweizerischen Obligationenrecht (Art. 321c OR) geregelt. Es handelt sich dabei um Arbeitsstunden, welche die oben erwähnten Soll-Stunden übersteigen, sich jedoch noch innerhalb der wöchentlichen Höchstarbeitszeiten bewegen. Diese wöchentliche Höchstarbeitszeit beläuft sich gemäss Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (Art. 9 ArG) je nach Branche auf zwischen 45 und 50 Stunden. Die 45 Stunden-Grenze betrifft Arbeitnehmer in industriellen Betrieben sowie Büropersonal, technische und andere Angestellte, mit Einschluss des Verkaufspersonals in Grossbetrieben des Detailhandels, 50 Stunden für alle übrigen Arbeitnehmer.

Nach der Überschreitung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit wird von Überzeit gesprochen, diese ist in Art. 12 ArG geregelt. Die gesetzlich festgelegte Höchstarbeitszeit darf nicht um mehr als zwei Stunden pro Tag überschritten werden. Weiter dürfen diese Überschreitungen im Kalenderjahr insgesamt nicht mehr als 170 Stunden für Arbeitnehmer mit einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 45 Stunden (resp. 140 Stunden für Arbeitnehmer mit einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 50 Stunden) betragen.

Für geleistete Überstunden kann der Arbeitnehmer, sofern nichts anderes vereinbart ist, im Einverständnis des Arbeitgebers die Zeit durch Kompensation mit Freizeit in mindestens demselben Umfang ausgleichen. Dies sollte in nützlicher Frist erfolgen. Wird die Überstundenarbeit nicht durch Freizeit ausgeglichen und ist nichts anderes vereinbart, so hat der Arbeitgeber Lohn zu entrichten, der sich nach dem Normallohn samt einem Zuschlag von mindestens einem Viertel bemisst. Bei der Überzeit lässt das Gesetz weniger Spielraum. Es muss in jedem Fall ein Zuschlag von einem Viertel entrichtet werden. Von dieser Regel kann nur dann abgewichen werden, wenn sich die beiden Parteien einigen können, die Stunden mit Freizeit auszugleichen. Diesfalls muss kein Zuschlag entrichtet werden. Für das Büropersonal sowie den technischen und anderen Angestellten, mit Einschluss des Verkaufspersonals in Grossbetrieben, muss erst ein Zuschlag gewährt werden, wenn die Überzeit 60 Stunden im Kalenderjahr übersteigt.

Gerne stehen wir Ihnen für die korrekte Abwicklung von Überstunden resp. Überzeit in Ihrem Betrieb zur Verfügung.

Isabelle Seiler
Lic.iur., dipl. Steuerexpertin

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