28.04.2016
Vorsorgeauftrag

Wer wegen Altersschwäche, schwerer Erkrankung oder infolge eines Unfalles nicht mehr selber für sich sorgen kann und urteilsunfähig wird, ist auf die Hilfe Dritter angewiesen. Es ist von Vorteil, wenn man diese Fragen vorsorglich regelt und so sicherstellt, dass der eigene Wille respektiert wird.

Diese Art der Selbstbestimmung wird mit dem neuen Erwachsenenschutzrecht seit dem 1.1.2013 im ZGB Art. 360ff geregelt. So kann im Voraus festgelegt werden, wer im Falle einer Urteilsunfähigkeit die eigenen Interessen wahrnehmen soll. Dazu stehen in erster Linie zwei Mittel zur Verfügung: Der Vorsorgeauftrag und die Patientenverfügung.

Während die Patientenverfügung auf medizinische Fragen eingeht, werden im Vorsorgeauftrag administrative oder finanzielle Belange geregelt.

Ohne Vorsorgeauftrag können nur Ehegatten und eingetragene Partner den urteilsunfähig gewordenen Partner in alltäglichen finanziellen Angelegenheiten vertreten. Deshalb ist ein Vorsorgeauftrag gerade für Paare im Konkubinat oder für Alleinstehende wichtig, die später bei allfälliger Urteilsunfähigkeit nicht einen staatlich bestellten Beistand erhalten wollen.

Es ist ratsam, vorher zu klären, ob die zu beauftragende Person überhaupt gewillt ist, den Vorsorgeauftrag dann auch wirklich auszuführen. Der Vorsorgeauftrag sollte mit dieser Person auch inhaltlich besprochen werden. Bei der beauftragten Person kann es sich um natürliche Personen (Familienmitglieder, Nahestehende, Bekannte etc.) oder um juristische Personen (Treuhänder, Juristen, Notare etc.) handeln.

Damit ein Vorsorgeauftrag überhaupt gültig ist, muss er von Hand geschrieben und unterzeichnet oder notariell beurkundet werden. Die Aufgaben, die der beauftragten Person übertragen werden sollen, müssen klar umschrieben sein. Es können auch Einzelaufgaben übertragen werden und Weisungen für die Umsetzung der Aufträge erteilt werden. Die möglichen zu delegierenden Aufgaben können wie folgt gegliedert werden:

  • Vermögenssorge: Verwaltung des Einkommens und Vermögens, Abwicklung des Zahlungsverkehrs etc.
  • Personensorge: Entscheidungen rund um Privatangelegenheiten und Gesundheit
  • Vertretung im Rechtsverkehr: Sämtliche Rechtshandlungen sowie Abschluss der dafür nötigen Verträge

Im Vorsorgeauftrag sollte auch die Entschädigung für die auszuführenden Handlungen geregelt werden.

Der Vorsorgeauftrag kann jederzeit abgeändert oder widerrufen werden. Er wird ohnehin erst wirksam, falls und wenn die Auftrag gebende Person urteilsunfähig geworden ist.

Jeder Vorsorgeauftraggeber kann frei wählen, wo er den Vorsorgeauftrag aufbewahrt. Dem Beauftragten sollte zumindest eine Kopie übergeben werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, dem Zivilstandsamt mitzuteilen, dass ein Vorsorgeauftrag erstellt wurde und wo dessen Hinterlegungsort ist. Darüber wird von dieser Behörde ein Register geführt.

Gerne beraten wir Sie in diesen Fragen.

Markus Jungo
Dipl. Wirtschaftsprüfer / Partner

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