07.10.2014
Die Umsetzung des neuen Rechnungslegungsrechts

Die Umsetzung des neuen Rechnungslegungsrechts steht ab dem 1. Januar 2015 an!
Die Bundesversammlung hat das neue Recht (NRLR) der kaufmännischen Buchführung und Rechnungslegung im 2011 verabschiedet und diese traten per  1. Januar 2013 in Kraft. Dank der Übergangszeit von 2 Jahren gilt es nun  spätestens per 1. Januar 2015 ernst.

Mit der Einführung des NRLR wurden rechtliche Modelle geschaffen, in welchem die Unternehmen sich einzufinden haben. Der Begriff Unternehmen umfasst sowohl Einzelunternehmen und Personengesellschaften als auch juristische Personen des Zivilgesetzbuchs (Vereine und Stiftungen) und des Obligationenrechts (Aktiengesellschaften, GmbH, Kommanditaktiengesellschaften und Genossenschaften).

Kleinstunternehmen

Kleine Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit weniger als CHF 500‘000 Umsatz pro Jahr bleiben von den künftigen Vorgaben verschont. Sie müssen lediglich Buch führen über die Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage. Der Gesetzgeber hat aber darauf hingewiesen, dass die Grundsätze ordnungsmässiger Buchführung sinngemäss auch für Kleinstunternehmen gelten.

In diesem Zusammenhang wird oft für das „Milchbüchlein“ zitiert. Aufgrund der Grundsätze der ordnungsmässigen Buchführung ist aber die Milchbüchleinrechnung kein buchhalterischer Freipass. Es darf auch nie vergessen werden, dass Personengesellschaften ja persönlich und unbegrenzt mit ihrem gesamten Vermögen haften. Was sie besonders sensibilisiert gerade in finanzieller Hinsicht ihren Betrieb verantwortungsbewusst zu führen.

Für Kleinstunternehmen ist es künftig weiterhin Sinnvoll eine doppelte Buchhaltung zu führen. Die Buchhaltung bzw. der Jahresabschluss dient auch weiterhin als Grundlage für die Steuerdeklaration, der Mehrwertsteuer und als Dokument bei Bankgesprächen.

Mittlere Unternehmen

Sämtliche juristische Personen des Zivilgesetzbuchs und des Obligationenrechts (auch bei weniger als CHF 500‘000 Umsatz pro Jahr) sowie die Personengesellschaften unterliegen der Pflicht zur Buchführung und Rechnungslegung.

Die Grundsätze und Grundlagen der ordnungsmässigen Rechnungslegung sind im Wesentlichen zum alten Recht unverändert. Die Bilanzvorschriften erfuhren punktuelle Erneuerungen (Wegfall Aktivierung Gründungskosten, neu ist der beobachtete Marktpreis, Anpassungen im Anhang wie Wegfall Brandversicherungswerte und Risikobeurteilung, neu Hinweise auf wesentliche Ereignisse nach dem Bilanzstichtag die Aufzählung ist nicht abschliessend).

Der Gläubigerschutz wurde ausgeweitet. Die Annahme der Fortführungsfähigkeit und oder des Fortführungswillens der Unternehmung wird verdeutlicht, indem von einer Fortführung auf absehbare Zeit ausgegangen wird. Ist jedoch die Einstellung der Tätigkeit oder von Teilen davon in den nächsten zwölf Monaten ab Bilanzstichtag beabsichtigt oder voraussichtlich nicht abwendbar, sind in der Rechnungslegung für die betreffenden Unternehmensteile Veräusserungswerte zu berücksichtigen.

Grosse Unternehmen

Unternehmen die zwei der folgenden Grössenkriterien innerhalb von zwei Jahren überschreiten (Bilanzsumme CHF 20 Mio.; Umsatzerlös CHF 40 Mio.; 250 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt) haben zusätzlich im Anhang der Jahresrechnung eine Geldflussrechnung sowie ein Lagebericht auszuweisen bzw. zu erstellen.

Das neue Rechnungslegungsrecht soll den Minderheitsbeteiligten mehr Rechte einräumen, da sie einen zusätzlichen Abschluss nach einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung verlangen können.

Die Grössenkriterien zur Erstellungspflicht der Konzernrechnung sind die gleichen wie für die „Grossen Unternehmen“. Die definitive Erstellungspflicht nach neuem Recht erfolgt allerdings erst per 01.01.2016.

Fazit

Gesamthaft ist das neue Rechnungslegungsgesetz keine Revolution. Das neue Gesetz orientiert sich ansatzweise an den Entwicklungen moderne Rechnungslegungsstandards wie Swiss GAAP FER oder IFRS. Trotzdem werden die schweizerischen Spezialitäten des Obligationenrechts beibehalten, wie die Möglichkeit stille Reserven zu bilden. Dem Vorsichtsprinzip wird mehr Gewicht gegeben.

Es obliegt an den Unternehmen aufgrund ihrer letzten beiden Jahresrechnungen sich mit den entsprechenden neuen gesetzlichen Anforderungen auseinanderzusetzen und sich folgende Fragen zu stellen: Was für einen Einfluss haben die neuen Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze; Ist eine punktuelle Anpassung des Kontenplans erforderlich und welche Informationen sind zusätzlich im Anhang aufzubereiten.

Rinaldo Jendly
Partner, Teamleiter
Dipl. Treuhandexperte