25.04.2014
Rückstellungen für Garantien

Bei den Rückstellungen handelt es sich um eine besondere Position im Fremdkapital einer Jahresrechnung. Anders als bei wesensverwandten Jahresabschlusspositionen wie den Kreditoren, den passiven Rechnungsabgrenzungen oder den Wertberichtigungen charakterisieren sich Rückstellungen dadurch, dass sie

  • Aufwendungen erfassen, die auf einem vergangenen Ereignis beruhen,
  • welche mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eine Verpflichtung (Geldabgang) nach sich ziehen,
  • die jedoch in ihrer Höhe und Zeitpunkt noch ungewiss sind. 

Diese Eigenschaften treffen typischerweise auf Verpflichtungen aus Garantiefällen zu und müssen bei der Erstellung des Jahresabschlusses berücksichtigt werden (Vorsichtsprinzip). Die Ansprüche des Käufers können dabei auf gesetzlichen oder vertraglichen Gewährleistungsverpflichtungen oder auch in geschäftlichem Kulanzverhalten begründet sein.

Gemäss dem Prinzip der "Massgeblichkeit" der Handelsbilanz sind die betriebswirtschaftlich notwendigen Rückstellungen auch im Steuerecht anzuerkennen. Die steuerliche Berücksichtigung setzt grundsätzlich auch voraus, dass die Rückstellung verbucht ist.

Rückstellungen für Garantiefälle werden in der Regel steuerlich anerkannt für Verkäufe von selbst hergestellten Erzeugnissen und für Leistungen aus Werkverträgen, soweit die drohenden Risiken nicht bereits versicherungsmässig gedeckt sind oder durch Regressansprüche auf andere (Bsp. Lieferant) überwälzt werden können. Nicht berechtigt sind in der Regel Umsätze aus Handelswaren sowie Erlöse aus Dienstleistungen und Aufträgen.

Die Hauptschwierigkeit besteht darin, dass der Umfang der notwendigen Garantierückstellungen geschätzt werden muss. In einigen Kantonen wird deshalb offiziell und ohne nähere Prüfung eine vereinfachte pauschale Berechnung der Garantierückstellung (Bsp. Kanton Bern 2% des garantiepflichtigen Jahresumsatzes) akzeptiert. Höhere als solche pauschalen Rückstellungen sind auch dann noch möglich, wenn sie nachgewiesen werden können und dokumentiert sind. Andere Kantone kennen keine pauschal akzeptierten Garantierückstellungen, weshalb in jedem Fall der Einzelnachweis erbracht werden muss.

Eine Unternehmung ist deshalb gut beraten, wenn sie auf die statistischen Erfahrungszahlen ihrer Garantiefälle der vorangegangenen Jahre zurückgreifen kann, d.h. diese systematisch erfasst und in angemessenenr Weise dokumentiert.

Markus Jungo
Partner, Teamleiter
Dipl. Wirtschaftsprüfer