15.02.2013
Das ist neu bei der Rechnungslegung

Der Bundesrat hat das neue Rechnungslegungsrecht auf den 1. Januar 2013 in Kraft gesetzt. In diesem werden Vorschriften zur Buchführung und Rechnungslegung für alle Gesellschaften und Organisationen des Pirvatrechts komplett neu geregelt und strukturiert.
Die Neuerungen des auf Anfang Jahr in Kraft getretenen Rechnungslegungsrechts für Einzelunternehmen, Personengesellschaften und juristische Personen seien im Folgenden im Wesentlichen aufgeführt:

  • Buchführungs- und rechnungslegungspflichtig sind alle juristischen Personen sowie Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit einem Umsatzerlös von mehr als 500'000 Franken.
  • Die Grundsätze der ordnungsmässigen Buchführung werden explizit im Gesetz erläutert.
  • Sprache und Währung: Buchführung und Rechnungslegung können in einer der Landessprachen oder in Englisch und in der Landeswährung oder einer anderen für die Geschäftsätigkeit wesentlichen Währung erfolgen. Wird eine andere Währung verwendet, so müssen die Werte zusätzlich in der Landeswährung angegeben werden.
  • Die Darstellung und Mindest-Gliederung von Bilanz und Erfolgsrechnung wird explizit vorgegeben.
  • Die Pflichtangaben im Anhang werden erweitert und gelten gleichermassen für alle juristischen Personen.
  • Bewertung: Für wesentliche Aktivitäten und Verbindlichkeiten gilt der Grundsatz der Einzelbewertung und der Vorsicht. Die Aktiven sind wie bis anhin zu Anschaffungs- oder Herstellkosten zu bewerten. Weiterhin zulässig sind "stille Reserven". Gründungs- und Organisationskosten dürfen nicht mehr aktiviert werden.
  • Zusätzliche Vorschriften für "Grössere Unternehmen": Gesellschaften, welche ordentlich revidiert werden müssen, haben zusätzlich eine Geldflussrechnung und einen Lagebericht zu erstellen.
  • Anhebung der Schwellenwerte für die Konsolidierungspflicht: Wenn zwei der drei Grössen (Bilanzsumme 20 Millionen Franken, Umsatzerlös 40 Millionen Franken, Vollzeitstellen 250) in zwei aufeinanderfolgenden Jahren nicht überschritten werden, entfällt die Pflicht zur Konsolidierung.
  • Kleinunternehmen: Einzelunternehmen und Personengesellschaften, die weniger als 500'000 Franken Jahresumsatz erzielen, können ihre Bücher "vereinfacht" führen.
  • Börsenkotierte Gesellschaften, Genossenschaften mit mindestens 2'000 Genossenschaftern sowie Stiftungen, die von Gesetzes wegen zu einer Revision verpflichtet sind, müssen einen Jahresabschluss nach einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung vorlegen (Bsp. Swiss GAAP FER, IFRS, US-GAAP). Gesellschaften, die mindestens 20 Prozent des Grundkapitals vertreten oder 10 Prozent der Genossenschafter oder 20 Prozent der Vereinsmitglieder können inskünftig einen Abschluss nach einem anerkannten Standard verlangen.

Zeit bis zur Umsetzung

Für die Umsetzung der neuen Regelungen werden Übergangsfristen gewährt. Die Vorschriften für den Einzelabschluss finden erstmals Anwendung für das Geschäftsjahr, das zwei Jahre nach Inkrafttreten dieser Gesetzgebung beginnt. Somit ist der erste Einzelabschluss nach neuem Rechnungslegungsrecht im 2015 zwingend. Die Bestimmungen für die Konzernrechnung finden erstmals Anwendung auf das Geschäftsjahr, das drei Jahre nach Inkrafttreten dieser Gesetzesänderung beginnt: 2016. Es steht den Unternehmen frei, bereits 2013 die Vorschriften des neuen Rechnungslegungsrechts anzuwenden. Entscheidet sich eine Unternehmung für Anwendungen des neuen Rechnungslegungsrechts bereits 2013, sind somit sämtliche Änderungen und Neuerungen vollumfänglich einzuhalten. Es ist nicht zulässig, nur gewisse Änderungen vorzunehmen.

Bei der erstmaligen Anwendung der Vorschriften zur Rechnungslegung bestehen folgende Möglichkeiten: Die Vorjahreszahlen werden nicht aufgeführt; oder die Vorjahreszahlen können nach altem Recht aufgeführt werden. Wichtig ist, dass im Anhang auf diesen Umstand hingewiesen wird (Verzicht auf Stetigkeit in Darstellung und Gliederung). Momentan bestehen noch gewisse Unsicherheiten, und es wird erwartet, dass noch Anpassungen respektive Empfehlungen von den Branchenverbänden folgen werden.

Michael Münger
Partner, Teamleiter
Dipl. Wirtschaftsprüfer