29.03.2012
Neues Rechnungslegungsrecht

Nach mehrjähriger politischer Behandlung haben die eidgenössischen Räte am 23. Dezember 2011 das neue Rechnungslegungsrecht definitiv verabschiedet.

Die neuen Vorschriften führen zu einer Vereinheitlichung der Buchführung und Rechnungslegung unabhängig von der Rechtsform der Gesellschaft. Hingegen variieren die Anforderungen an Buchführung und Rechnungslegung je nach Grösse und wirtschaftlicher Bedeutung einer Unternehmung.

Kleinstunternehmen: Einzelunternehmen und Personengesellschaften die weniger als CHF 500'000.– Jahresumsatz erzielen, können ihre Bücher «vereinfacht» führen: Sie müssen lediglich über Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage Buch führen. Dies gilt auch für nicht im Handelsregister eintragungspflichtige Vereine und Stiftungen, jedoch nicht für andere juristische Personen wie AG, GmbH oder Genossenschaften. Der Unterscheid zur kompletten Buchführung und Abschlusserstellung liegt primär darin, dass insbesondere zeitliche und sachliche Abgrenzungen nicht oder zumindest weniger genau erfasst werden müssen.

Für die «KMU» Unternehmen – welche nicht in die Kategorie der «Kleinstunternehmen» oder zu den «Grösseren Unternehmen» gehören – gelten mehr oder weniger die bisherigen Regeln der Rechnungslegung: Sie haben eine Jahresrechnung bestehend aus Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang zu erstellen. Die im Anhang auszuweisenden Angaben wurden generell etwas erweitert oder modifiziert. Für die «KMU»-Unternehmen entfällt mit den neuen Vorschriften die Angabe zur Risikobeurteilung im Anhang. Einzelunternehmen und Personengesellschaften können weiterhin auf die Erstellung eines Anhangs verzichten, wenn sie nicht in die Kategorie der «Grösseren Unternehmen» fallen.

Grössere Unternehmen: (Bilanzsumme > CHF 20 Mio., Umsatzerlös > CHF 40 Mio., Vollzeitstellen > 250; Überschreitung von zwei dieser Kriterien in zwei aufeinanderfolgenden Jahren) unterliegen der ordentlichen Revisionspflicht. Diese Unternehmen müssen zusätzlich zu Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang einen Lagebericht sowie eine Geldflussrechnung erstellen. Der Lagebericht ist als ein schriftlicher, qualitativer Kommentar zum Geschäftsverlauf und zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens zu verstehen. Ebenfalls müssen diese Unternehmen erweiterte Angaben im Anhang ausweisen (Honorar der Revisionsstelle sowie einen Verbindlichkeitsspiegel).

Die neuen gesetzlichen Bestimmungen werden voraussichtlich ab Geschäftsjahr 2013 mit Übergangsbestimmungen in Kraft treten. Erste Abschlüsse nach neuem Recht müssen ab Geschäftsjahr 2015 erfolgen.

Bei Fragen zu den möglichen Auswirkungen des neuen Rechnungslegungsrechtes bei Ihrer Unternehmung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Markus Jungo
Partner
Dipl. Wirtschaftsprüfer