25.02.2010
Vereinfachte Nachbesteuerung in Erbfällen / Straflose Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung

Freiburger Nachrichten vom 25. Februar 2010

Seit dem 1. Januar 2010 sind die Vereinfachung der Nachbesteuerung in Erbfällen und die straflose Selbstanzeige im Steuergesetz verankert. Der Staat erhofft sich, den Steuerpflichtigen mit den vorgesehenen Massnahmen die Legalisierung von hinterzogenen Einkommen und Vermögen zu erleichtern.
Bei Erben, die eine Steuerhinterziehung des Erblassers anzeigen, werden neu nur noch die Steuern inkl. Verzugszinsen für die letzten drei Steuerperioden vor dem Todesjahr des Erblassers nachgefordert (bisher 10 Jahre). Das Verfahren gilt nur für Erbfälle, die nach dem 01.01.2010 eröffnet werden.

Bei Steuerpflichtigen, die ihre Steuerhinterziehung selber anzeigen, werden die Steuern inkl. Verzugszinsen für höchstens 10 Jahre erhoben. Von einer Strafverfolgung (Busse) wird abgesehen. Eine straflose Selbstanzeige ist nur einmal möglich. Bei juristischen Personen erfolgt die Anzeige durch deren Organe oder Vertreter. Auch ausgeschiedene Organmitglieder oder Vertreter sowie Anstifter oder Gehilfen können eine Anzeige einreichen!

In beiden Fällen müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Hinterziehung ist keiner Steuerbehörde bekannt;
  • die Steuerverwaltung wird bei der Feststellung der hinterzogenen Vermögens- und Einkommenselemente für die Festsetzung der Nachsteuer vorbehaltlos unterstützt;
  • die betreffende Person bemüht sich ernstlich um die Bezahlung der geschuldeten Nachsteuer.

Beide Massnahmen gelten für die direkte Bundessteuer sowie die Kantons-, Gemeinde- und Kirchensteuern. Je nach Art der hinterzogenen Einkommen und Vermögen sind zusätzlich übrige, nicht entrichtete Steuern und Abgaben wie Mehrwertsteuer, Verrechnungssteuer, Erbschafts- und Schenkungssteuern oder AHV/IV-Beiträge geschuldet (inkl. Verzugszinsen).

Vereinfachtes Beispiel mit folgenden Annahmen: Hinterzogenes Einkommen über 10 Jahre: CHF 100'000 (insgesamt); Hinterzogenes Vermögen: CHF 200'000; Steuerberechnung zum aktuellen Maximalsteuersatz; Steuerfuss Gemeinde 90% / Kirche 10%; Verzugszinsen 4%.

Geschätzte Nachsteuer (inkl. Verzugszinsen) nach altem Gesetz:

  • Selbstanzeige: CHF 74’500.– (inkl. Busse)
  • Erben: CHF 64’000.–

Geschätzte Nachsteuer (inkl. Verzugszinsen) nach neuem Gesetz:

  • Selbstanzeige: CHF 64’000.–
  • Erben: CHF 17’000.–

Fazit:
Die Massnahmen begünstigen vor allem die Anzeige bei Erbschaften. Falls Sie sich Gedanken über eine Anzeige machen, stehen wir Ihnen gerne beratend zur Seite.

Elmar Schafer
Fachmann im Finanz- und Rechnungswesen mit eidg. Fachausweis