29.04.2010
Schenken ja – aber richtig

Freiburger Nachrichten vom 29. April 2010

Bei Nachfolgeplanungen von Unternehmen oder aus anderen Gründen (Aufbau Selbständigkeit, Finanzierung Eigenheim) wollen immer mehr Eltern ihren Nachkommen einen Teil ihres Vermögens schon zu Lebzeiten übertragen. Erbvorbezüge oder Schenkungen sind für die Begünstigen eine schöne Sache, aber auch oft Grund für spätere Irritationen und Erbstreitigkeiten zwischen den Erben.

Erbvorbezug

Erhält ein Nachkomme einen Erbvorbezug in Form von Bargeld, Liegenschaft oder Grundstück, muss er sich den Betrag nach dem Tod der Erblassers an sein Erbe anrechnen lassen. Geldbeträge werden dabei zum Nominalwert angerechnet, d.h. weder Verzinsung noch Kaufkraftschwund werden berücksichtigt. Anders verhält es sich bei Grundstücken oder Gebäuden. Hier ist für die Ausgleichung der Verkehrswert zum Zeitpunkt der Teilung massgebend. Ein Beispiel: Die Tochter hat vor 15 Jahren von den Eltern TCHF 100 für den Kauf eines Hauses erhalten. Weil beim Erbvorbezug Geldbeträge zum Nominalwert angerechnet werden, muss sie nur diese TCHF 100 zur Ausgleichung bringen. Ihr Bruder hat vor 15 Jahren mit einem Grundstück im Wert von TCHF 100 ebenfalls einen Erbvorbezug erhalten. Hätte sich der Quadratmeterpreis in der Zwischenzeit verdoppelt bestünde für ihn eine Ausgleichspflicht von TCHF 200.
 

Schenkung

Bei der Schenkung wollen die Eltern dem Kind etwas unentgeltlich zukommen lassen und soll folglich im Erbfall nicht berücksichtigt werden. Schenkungen unterliegen jedoch der Ausgleichspflicht, wenn es sich um Zuwendungen mit Ausstattungscharakter handelt, die der Existenzbegründung, -sicherung oder –verbesserung dienen. In diesen Fällen werden sie dem Erbvorbezug gleichgestellt. Ein Beispiel: Erhält der Sohn TCHF 20 für die Gründung einer Firma und die Tochter denselben Betrag für den Kauf eines Autos, muss beim Erbfall der Sohn mangels anderer Abrede die TCHF 20 zur Ausgleichung bringen, da sie der Existenzbegründung dienten. Im Gegensatz dazu muss die Tochter nichts zur Ausgleichung bringen, weil sie das Auto nur zum Vergnügen braucht. Wurden Pflichtteile verletzt, können diese von den anderen Erben eingefordert werden.

Um eine Ausgleichungspflicht für den Erbfall aufzuheben oder einzuführen, müssen die Eltern eine ausdrückliche Erklärung abgeben.

Wir beraten Sie gerne und zeigen Ihnen die steuerlichen Optimierungsmöglichkeiten auf.

Christian Stritt
Partner
Dipl. Wirtschaftsprüfer