16.12.2010
Privilegierte Liquidationsgewinnbesteuerung

Freiburger Nachrichten vom 16. Dezember 2010

Der Liquidationsgewinn von Selbständigerwerbenden wird nicht mehr mit dem übrigen Einkommen sondern separat und privilegiert besteuert. Dies betrifft den Liquidationsgewinn bei Aufgabe Personenunternehmung.

Warum eine solche Privilegierung?

Der Beitritt zur beruflichen Vorsorge ist für Selbständigerwerbende nach wie vor freiwillig. Um die steuerlichen Nachteile zu kompensieren, die sich bei einer Geschäftsaufgabe ergeben, wurde die Privilegierung eingeführt. Das Gesetz ist im Kanton Freiburg bereits seit 01.01.2009 in Kraft, auf Bundesebene ist dies ab 01.01.2011 der Fall.

Voraussetzungen einer solchen Privilegierung?

Die Privilegierung der Liquidationsgewinne erfolgt, unter folgenden Voraussetzungen:

  • die selbständige Erwerbstätigkeit wird definitiv aufgeben und die steuerpflichtige Person hat das 55. Altersjahr vollendet;
  • die selbständige Erwerbstätigkeit wird infolge Invalidität aufgegeben;
  • die Einzelfirma wird bis spätestens 5 Jahren nach dem Ableben des Inhabers durch die Erben oder Vermächtnisnehmer aufgelöst, wobei der Verstorbene bei seinem Ableben mindestens das 55. Altersjahr vollendet haben muss.


Nicht darunter fallen

  • Liquidationsgewinne die realisiert werden, nachdem bereits eine privilegierte Besteuerung stattgefunden hat (die privilegierte Liquidation steht jeder steuerpflichtigen Person nur einmal zu).
  • Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit und andere Einkünfte, die nicht aus der Liquidation stammen.

Berechnung des Liquidationsgewinnes und Besteuerung

Der Liquidationsgewinn umfasst die im Liquidationsjahr und im Vorjahr realisierten stillen Reserven, abzüglich:

  • Einkäufe in die 2. Säule des Liquidations- und des Vorjahres;
  • des fiktiven Einkaufs*;
  • des durch die Realisierung der stillen Reserven verursachten Aufwandes;
  • des Verlustvortrages und des Verlustes des laufenden Geschäftsjahres, die nicht mit dem Einkommen aus der selbständigen Erwerbstätigkeit verrechnet werden können.


Auf Bundes- sowie Kantonsebene wird der Liquidationsgewinn zu 1/5 des normalen Steuersatzes besteuert. Jedoch mindestens zu 2% für die Direkte Bundessteuer und 6% für die Kantonssteuern.
Wir beraten Sie gerne und zeigen Ihnen die steuerlichen Möglichkeiten auf.

Claudine Meichtry
Dipl. Steuerexpertin



*Ein fiktiver Einkauf kann geltend gemacht werden, wenn Lücken in der beruflichen und persönlichen Vorsorge bestehen und die steuerpflichtige Person das Rentenalter von 65. Jahren noch nicht erreicht hat. Der fiktive Einkauf beträgt 15% des theoretischen Vorsorgekapitals abzüglich der bereits getätigten Einzahlungen. Das theoretische Vorsorgekapital entspricht dem durchschnittlichen Einkommen der letzten 5 Jahre multipliziert mit der Anzahl Jahre der selbständigen Erwerbstätigkeit.