27.08.2009
Eigene Aktien

Eigene Aktien sind Aktien, die sich im eigenen Besitz des Unternehmens befindet. Gemäss Art. 659 OR darf die Gesellschaft unter gewissen Bedingungen eigene Aktien erwerben.

(Freiburger Nachrichten vom 27. August 2009)

Der Rückkauf eigener Aktien kann aus verschiedenen Gründen stattfinden. Eine Aktiengesellschaft kann die Aktien zurückkaufen z.B. zwecks Kapitalherabsetzung oder im Zusammenhang mit Mitarbeiterbeteiligungsplänen usw.

Da eigene Aktien nicht dividenden- und stimmberechtigt sind, hat der Kauf eigener Aktien die Wirkung einer Kapitalherabsetzung und damit der Reduktion des Haftungskapitals. Die Kapitalherabsetzung ist deshalb im OR durch strenge Vorschriften geregelt. Erwirbt eine Gesellschaft eigene Aktien, ohne danach ihr Kapital herabzusetzen, legt das OR nebst klaren Verbuchungs- und Ausweisvorschriften (in Bilanz und Anhang) Limiten fest:

Das Aktienrecht gestattet einer Gesellschaft das Halten eigener Aktien im Umfang nur bis max. 10% des Aktienkapitals bzw. unter gewissen Bedingungen und zeitlich auf zwei Jahre beschränkt bis zu 20%. Das Steuerrecht sieht unter Beibehaltung dieser Limiten eine maximale Haltefrist von 6 Jahren ab Erwerbszeitpunkt vor.

Werden die zivilrechtlichen Limiten oder/und die steuerrechtlichen Haltefristen überschritten, wird steuerrechtlich mittelbar oder nach Ablauf der 6-Jahre-Frist die Teilliquidation angewandt, d.h. die Verrechnungssteuer wird ausgelöst. Diese ist grundsätzlich auf der Differenz zwischen Nominalwert und Kaufpreis der Aktien geschuldet. Schuldnerin der Verrechnungssteuer ist die Gesellschaft, welche die eigenen Beteiligungsrechte erworben hat. Grundsätzlich ist die Verrechnungssteuer auf den Empfänger der steuerbaren Leistung, also den Verkäufer der Aktien, zu überwälzen.

Kann die Verrechnungssteuer nicht (mehr) auf den Verkäufer überwälzt werden, wird die dem Verkäufer zugeflossene Leistung als Nettoleistung qualifiziert und die Verrechnungssteuer wird „ins Hundert“ gerechnet. Die Folge davon ist eine definitive Verrechnungssteuerbelastung von 53,8% anstelle der normalerweise geschuldeten 35%. Die Steuerschuld ist den Reserven zu belasten und kann somit nicht vom steuerbaren Gewinn in Abzug gebracht werden.

Kauft eine Gesellschaft eigene Aktien zurück, muss sie sich der Limiten, Fristen und Steuerfolgen bewusst sein. So kann sich die Gesellschaft vor unliebsamen Überraschungen und Steuerfolgen schützen. Gerne stehen wir Ihnen für diese Fragen zur Verfügung.

Markus Jungo
Dipl. Wirtschaftsprüfer
Partner Treuhand Cotting AG / Cotting Revision AG / Fiduciaire REVICOR Consulting AG