29.05.2008
Dumont-Praxis

Freiburger Nachrichten vom 29. Mai 2008

Bund und Kantone sollen steuerliche Nachteile beseitigen.

Dumont-Praxis: Bund und Kantone sollen steuerliche Nachteile beseitigen

Ein Bundesgerichtsurteil aus dem Jahre 1973 hält fest, dass Instandstellungskosten für Liegenschaften, die im Unterhalt vernachlässigt wurden, in den ersten fünf Jahren nach dem Erwerb nicht von den Steuern abgezogen werden können. Im Gegensatz dazu sind die periodischen Unterhaltkosten steuerlich abzugsfähig.

Dieses Urteil bewirkte, dass ältere Liegenschaften oft jahrelang leer oder schlecht genutzt stehen, bis sie nach Ablauf der Fünfjahresfrist steuerwirksam renoviert werden durften.

Im Jahre 1997 hat das Bundesgericht den seinerzeitigen Entscheid dahingehend gelockert, dass nur für im Unterhalt stark vernachlässigte Liegenschaften die Renovationskosten nicht abgezogen werden können. Folgende Kriterien deuten darauf hin: Alter des Gebäudes (älter als 30 Jahre), die Betragshöhe der Instandstellungsmassnahmen im Verhältnis zum Er-werbspreis, Art und Umfang der Arbeiten sowie Mietertag nach Renovationsarbeiten. Die Kosten für Energiesparmassnahmen können teilweise in Abzug gebracht werden.

Die nunmehr vom Bundesrat befürwortete Aufhebung der Dumont-Praxis würde es den Liegenschaftskäufern ermöglichen, dass auch Wert erhaltende Instandstellungsmassnahmen unmittelbar nach dem Kauf steuerlich in Abzug gebracht werden können. Somit müsste der Eigentümer nicht mit den Renovationsarbeiten abwarten, bis die 5 jährige Frist abgelaufen ist.

Nach dem Willen des Bundesrates sollen auch die Kantone auf die Dumont-Praxis völlig ver-zichten, damit die formale Steuerharmonisierung nicht bereits wieder durch Ausnahmen verwässert wird.

Bevor die neue Regelung in Kraft tritt (voraussichtlich im Jahr 2009) müssen noch der Natio-nal- und Ständerat der Abschaffung der Dumont-Praxis zustimmen.

Fazit: Bei einer vollständigen Beseitigung der Dumont-Praxis würden einerseits Anreize ge-schaffen, Renovationsarbeiten an neu erworbenen Liegenschaften sofort an die Hand zu nehmen, und andererseits eine Unsicherheit bezüglich der Liegenschaftsunterhaltskosten-abzüge beseitigt.

Beat Mauron
Partner
Treuhänder mit eidg. Fachausweis