26.06.2008
Mehrwertsteuer & Praxisänderungen per 1.1.2008

Freiburger Nachrichten vom 26. Juni 2008

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) hat sämtliche Publikationen zur Mehrwertsteuer (MWSt), die zu einem grossen Teil noch aus dem Jahr 2000 stammen, überarbeitet. Seit deren Einführung haben Gesetz, Verordnung und auch die Verwaltungspraxis in zahlreichen Bereichen geändert.


Diese Änderungen sind nun in der seit Beginn des Jahres publizierten Wegleitung 2008 und in den Spezial- und Branchenbroschüren sowie Merkblättern enthalten. Diese werden den Steuerpflichtigen jedoch nicht automatisch zugestellt. Der Steuerpflichtige kann sie bei der ESTV online einsehen und herunterladen (www.estv.admin.ch/d/dokumentation/mwst.htm) oder beim Bundesamt für Bauten und Logistik bestellen.

Mündliche sowie schriftliche Auskünfte, die gestützt auf eine frühere Verwaltungspraxis erteilt wurden und mit dem Inhalt der neuen Publikationen nicht übereinstimmen, sind nicht mehr gültig!

Im Rahmen dieser Überarbeitung ergaben sich weitere Praxisänderungen, welche mit Wirkung ab 1. Januar 2008 in Kraft getreten sind. Wesentliche Änderungen findet man u.a. auch im Bereich der Liegenschaften.

So berechtigten die Kosten eines Totalabbruches einer Liegenschaft oder einer Sanierung zwecks Beseitigung von Altlasten bis 31.12.2007 nicht zum Vorsteuerabzug, da diese dem Wert des Bodens angerechnet werden. Ab 1.1.2008 ist unter besonderen Umständen ein Vorsteuerabzug möglich.

Liegenschaftsübertragungen (Verkäufe) sind grundsätzlich von der MWSt ausgenommen. Erfolgt jedoch eine Übertragung zwischen zwei Steuerpflichtigen, so hat der Übertragende zwei zusätzliche Varianten zur Auswahl, sofern der Übernehmende die Liegenschaft (zumindest teilweise) für steuerbare Zwecke verwendet:

  • Übertragung mit Option (freiwillige Unterstellung der Steuerpflicht, MWSt ist auf dem Verkaufspreis abzurechnen)
  • Übertragung mit Meldeverfahren (Meldung anstelle Abrechnung der MWSt)

Wird eine Liegenschaft mit Option übertragen, so kann der Verkäufer allenfalls eine Einlageentsteuerung vornehmen (nachträglicher Vorsteuerabzug auf dem nicht für steuerbare Zwecke genutzten Teil der Liegenschaft, unter Berücksichtigung einer Abschreibung von 1/20 pro Jahr). Der Käufer kann den Vorsteuerabzug im Rahmen der steuerbaren Nutzung vornehmen. Die MWSt-relevante Abschreibungsfrist von 20 Jahren beginnt mit dem Übertragungsdatum neu zu laufen.

Bei einer Übertragung im Meldeverfahren ist es der Übernehmende, der eine allfällige Einlageentsteuerung vornehmen kann resp. eine allfällige Besteuerung im Eigenverbrauch vornehmen muss. Die Abschreibungsfrist von 20 Jahren wird in diesem Fall nicht unterbrochen.

Erfolgt die Übertragung nach dem Grundsatz (von der Steuer ausgenommen), so muss der Übertragende eine Besteuerung im Eigenverbrauch vornehmen, wenn er diese bisher (teilweise) für steuerbare Zwecke verwendet hat. Ein Vorsteuerabzug beim Käufer ist ausgeschlossen.

Es empfiehlt sich, die Auswahl der Varianten im Einzelfall gut zu prüfen und die unterschiedlichen Interessen zwischen Verkäufer und Käufer abzuwägen. Ein falscher Entscheid könnte sowohl für den einen wie auch für den anderen grössere finanzielle Nachteile darstellen. Wir sind Ihnen gerne behilflich, eine geeignete Lösung zu finden.

Elmar Schafer
Fachmann im Finanz- und Rechnungswesen mit eidg. Fachausweis