28.08.2008
Steuerfragen im Verein

Freiburger Nachrichten vom 28. August 2008

Vereine, die öffentliche oder gemeinnützige Zwecke verfolgen, sind von den Gewinn- und Kapitalsteuern befreit. Die Steuerbefreiung beschränkt sich auf den Gewinn und das Kapital, welche ausschliesslich und unwiderruflich den ideellen Zwecken gewidmet sind. Bei kleinen (Dorf-)Vereinen wird die Steuerbefreiung angenommen. Ansonsten kann sie beantragt werden.
Sobald der Verein jedoch seinen ideellen Zweck mit zum Teil wirtschaftlichen Mitteln anstrebt und ein nach kaufmännischer Art und auf Dauer ausgerichtetes Gewerbe betreibt, gelten die daraus resultierenden Gewinne als nicht gemeinnützig und werden besteuert. Bei der Berechnung des steuerbaren Gewinnes werden die Mitgliederbeiträge dabei nicht in die Berechnung einbezogen. Von den steuerbaren Erträgen können die zur Erzielung dieser Erträge erforderlichen Aufwendungen abgezogen werden. Andere Aufwendungen können nur insoweit abgezogen werden, als sie die Mitgliederbeiträge übersteigen. Die einfache Staatsteuer wird im Kanton Freiburg mit 10% des Gewinnes berechnet - die ersten CHF 25'000.– Gewinn allerdings nur mit 5%. Auf der Basis der so errechneten einfachen Staatsteuer erheben die Gemeinde, ebenso die Pfarreien, mit ihrem jeweiligen Steuerfuss (z.B. Düdingen Faktor 0,74) und der Kanton Freiburg (Faktor 1.089) ihre Steuern. Auf Bundesebene wird der Gewinn mit 4,25% besteuert. Wie bei den anderen juristischen Personen besteht generell die Möglichkeit der Verlustverrechnung aus maximal sieben vorangegangenen Geschäftsjahren. Die Steuer auf dem Kapital bzw. dem Reinvermögen ist in den meisten Fällen vernachlässigbar.

Ein ansonsten steuerbefreiter Verein kann im Kanton Freiburg auf Gewinnen der durch gelegentliche Organisation von Anlässen erzielt wird, mit 1% des Gewinnes besteuert werden.  Dabei werden unter Umständen ausserordentliche Abschreibungen zugelassen.

Grundsätzlich beginnt die Mehrwertsteuer-Pflicht bei einem Jahresumsatz von mehr als CHF 75'000. Nichtgewinnstrebige, ehrenamtlich geführte Sportvereine und gemeinnützige Institutionen mit einem Jahresumsatz aus steuerbaren Leistungen bis CHF 150'000.– sind jedoch nicht steuerpflichtig. Führt ein solcher Verein aber einen grösseren Anlass (z.B. Feldschiessen) durch, der diese Umsatzgrenze überschreitet, so muss er sich rein für diesen Anlass bei der MwSt anmelden. Abzurechnen sind jedoch nur die Umsätze aus diesem Anlass; die übrigen Einnahmen müssen nicht deklariert werden.

Als juristische Person kann der Verein die bei allfälligen Kapitalerträgen abgezogene Verrechnungssteuer bei der eidg. Steuerverwaltung zurückfordern. Sollte sich ein Rückerstattungsantrag eines einzigen Geschäftsjahres nicht lohnen, kann dieser aufgeschoben und zusammen mit den Verrechnungssteuerguthaben der folgenden Geschäftsjahre gestellt werden; der Anspruch auf Rückerstattung verjährt erst nach 3 Jahren.

Markus Jungo
Partner
Dipl. Wirtschaftsprüfer