25.09.2008
Nachfolgeplanung über Finanzierungsgesellschaft

Freiburger Nachrichten vom 25. September 2008

Die Unternehmensnachfolge ist eine kritische und wichtige Phase im Lebenszyklus einer KMU. Es stellen sich komplexe und umfassende Fragestellungen und es gilt gleichzeitig zahlreiche verschiedene Herausforderungen zu meistern. Es gilt steuerliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden, aber auch steuerliche Chancen rechtzeitig zu realisieren.
Auf dem Weg vom Gewinnausweis bei der Kapitalgesellschaft bis ins Portemonnaie des Inhabers fressen die Doppelbesteuerung und Sozialversicherungsabgaben je nach Situation und unter Berücksichtigung der Teilbesteuerung von Dividenden bis zu rund 40% des Gewinnes weg (ohne Teilbesteuerung bis fast 50%). Bei notwendiger Fremdfinanzierung des Kaufpreises und um diese Steuerlast zu mindern, besteht eine mögliche Lösung dieses Problems mit der Errichtung einer Finanzierungsgesellschaft.

Die Nachfolger kaufen das Unternehmen nicht direkt, sondern gründen zuerst eine Holdinggesellschaft. Eine Bank oder der Verkäufer selber gewährt der Holding ein Darlehen zur Finanzierung des Kaufpreises. Anschliessend erfolgt der Verkauf des Unternehmens direkt an diese Holding. Der Verkäufer erzielt somit einen steuerfreien privaten Kapitalgewinn, wenn er die Beteiligungsrechte im Privatvermögen hält. In der Folge kann der Bankkredit bzw. das Verkäuferdarlehen steuerfrei aus den Mitteln (Dividenden) der übernommenen Gesellschaft amortisiert und verzinst werden. Lediglich die zum Zeitpunkt des Kaufes bestehende Substanz darf innerhalb einer Sperrfrist von 5 Jahren nicht ausgeschüttet werden. Ansonsten würde der steuerfreie Kapitalgewinn beim Verkäufer in steuerbaren Vermögensertrag umqualifiziert und als Einkommen besteuert werden (sog. «indirekte Teilliquidation»). Somit darf innerhalb der ersten 5 Jahre lediglich der laufende Gewinn ausgeschüttet werden und erst anschliessend auf eine Ausschüttung der bestehenden Substanz zurückgegriffen werden. Da die Holding die künftigen Dividenden und eventuelle spätere Substanzdividenden nicht versteuern muss, werden gegenüber einem direkten privaten Unternehmenskauf bedeutende Steuereinsparungen realisiert.

Auch unter Berücksichtigung der Teilbesteuerung von Dividenden gemäss der Unternehmenssteuerreform II ist die Lösung über eine Holdinggesellschaft immer noch äusserst interessant.

Fazit: Das System der Finanzierungsholding erscheint relativ einfach, birgt aber in der Praxis einige Stolpersteine die es zu berücksichtigen gilt. Zudem ist diese Lösung nicht in jedem Fall angebracht. Es ist im Einzelfall abzuklären, wie die optimale Lösung ausgestaltet werden kann. Gerne beraten und begleiten wir Sie dabei.

Christian Stritt
Partner
Dipl. Wirtschaftsprüfer