30.10.2008
Liegenschaften des Geschäftsvermögens im Erbgang

Freiburger Nachrichten vom 30. Oktober 2008

Liegenschaften des Geschäftsvermögens sind Liegenschaften, die von einem selbständig Erwerbenden betrieblich genutzt werden und Renditeliegenschaften eines der Baubranche nahestehenden selbständig Erwerbenden.
Verstirbt der selbständig Erwerbende, ergeben sich bezüglich der Liegenschaften des Geschäftsvermögens nachstehende Sachverhalte:

Die beim Erblasser im Geschäftsvermögen (selbstständig Erwerbender) befindlichen Liegenschaften werden bei den Erben weiterhin als Geschäftsvermögen besteuert, selbst wenn die Geschäftstätigkeit des Erblassers nicht als solche weitergeführt wird. Demzufolge sind die aus der Vermietung von Liegenschaften des Geschäftsvermögens erwirtschafteten Erträge als Einkünfte aus einer selbstständigen Erwerbstätigkeit anzusehen und unterliegen der AHV-Beitragspflicht.

Gemäss einem Bundesgerichtsurteil ist mit der Zuordnung der Liegenschaften zum Geschäftsvermögen die selbstständige Erwerbstätigkeit aus der Vermietung bereits gegeben.
Für die Erben bestehen in diesem Falle folgende Möglichkeiten:

  • Das Geschäft des Erblassers wird in der bisherigen Form weitergeführt und das Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit unterliegt der AHV-Beitragspflicht. Zudem wird die Besteuerung des Kapitalgewinnes (Differenz zwischen Überführungswert und Buchwert der Liegenschaften) bis zum Zeitpunkt einer allfälligen Überführung in das Privatvermögen aufgeschoben.
  • Das Geschäft des Erblassers wird nicht weitergeführt. Die Erträge aus der Vermietung der Liegenschaften gelten als Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit und unterliegen der AHV-Beitragpflicht. Auch in diesem Falle wird die Besteuerung des Kapitalgewinnes bis zum Zeitpunkt einer allfälligen Überführung des Geschäftsvermögens in das Privatvermögen aufgeschoben.
  • Das Geschäft des Erblassers wird nicht weitergeführt. Die Liegenschaften werden vom Geschäftsvermögen in das Privatvermögen überführt. Folglich wird im Kanton Freiburg der Kapitalgewinn besteuert und der daraus resultierende AHV-Beitrag erhoben. Die zukünftigen Liegenschaftserträge gelten als Einkommen aus Vermietung von Privatliegenschaften und unterliegen nicht mehr der AHV-Beitragspflicht.

In diesem Zusammenhang sieht die Unternehmenssteuerreform II vor, dass der Aufschub der Besteuerung im Erbgang für Geschäftsliegenschaften auch gelten soll, wenn innerhalb der Erbengemeinschaft das Geschäft von einem Teil der Erben übernommen wird und die anderen Erben dafür entschädigt werden. Die übernehmenden Erben treten in die latente Steuerlast ein. Diese Regelung tritt per 01.01.2011 in Kraft.

Die Vor- und Nachteile der erwähnten Varianten sind im Einzelfall zu beurteilen damit für die Betroffenen eine optimale Lösung gefunden werden kann. Gerne beraten wir Sie dabei.

Beat Maruron
Partner
Treuhänder mit eidg. Fachausweis