10.03.2006
Nachfolgeplanung rechtzeitig in Angriff nehmen

Freiburger Nachrichten vom 10. März 2006
Für die meisten Unternehmen stellt sich früher oder später die Frage der Nachfolge. Von den rund 300'000 Unternehmen in der Schweiz, welche zu ca. 95% als Familienunternehmen sowie Klein- und Mittelunternehmen (KMU) geführt werden, stehen in den nächsten fünf Jahren rund 20% vor einer Nachfolgeregelung.

Die Nachfolgeregelung darf nicht vernachlässigt oder unterschätzt werden. Sie muss rechtzeitig in Angriff genommen werden und neben den traditionellen betriebswirtschaftlichen, juristischen und steuerlichen Fragen auch die emotionalen Aspekte des Zurücktretenden sowie die Beziehungen zwischen Familie und Untenehmen berücksichtigen. Je nach konkreter Situation kann der eigentliche Prozess der Nachfolgeregelung mehrere Jahre andauern.

Als oberstes Ziel der Nachfolgeregelung wird am häufigsten die langfristige Sicherung des Bestandes des Unternehmens sowie die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit definiert. Des Weiteren steht im Mittelpunkt die finanzielle Absicherung des Zurücktretenden und dessen Familie.

Eine allgemein gültige Standardlösung besteht nicht. Mittels Einbezug von Spezialisten und Vertrauten als „Coach“ muss die auf die Unternehmung und Abtretenden individuell zugeschnittene Nachfolgeregelung erarbeitet werden. Es gilt vor allem abzuklären ob eine familieninterne oder –externe Nachfolge möglich ist oder ob alternative Möglichkeiten (Verkauf) geprüft werden müssen. Weiter sind Kernfragen zu beantworten, wie z.B. Ist die Strategie des Unternehmens zukunftsgerecht? Ist das Unternehmen nachfolgefreundlich? Besteht die richtige Rechtsform?

Nebst den obenerwähnten Fragen gilt selbstverständlich auch die Frage nach den Steuerfolgen für den Abtretenden als weiterer Schwerpunkt. Die Steuerfolgen für den Abtretenden werden durch die Rechtsform des zu übertragenden Unternehmens beeinflusst. Von Bedeutung ist auch die Trennung von Privat- und Geschäftsvermögen.

Wird ein Verkauf der Unternehmung angestrebt, ist es steuerlich von Vorteil, wenn Anteile einer Kapitalgesellschaft (z.B. AG oder GmbH) verkauft werden können. Befinden sich die Beteiligungsrechte im Privatvermögen des Abtretenden, so wird grundsätzlich ein steuerfreier privater Kapitalgewinn realisiert (Problematik indirekte Teilliquidation s.FN vom 10.6.2005). Wird jedoch eine Personenunternehmung (z.B. Einzelfirma oder ein Anteil an einer Kollektivgesellschaft) veräussert, wird die Differenz zwischen dem Eigenkapital und dem Verkaufserlös der Einkommenssteuer unterworfen. In diesem Fall müsste frühzeitig eine Rechtsformänderung geplant werden. Die Umwandlung von Personenunternehmen in eine juristische Personen (Kapitalgesellschaft) ist steuerneutral möglich. Jedoch ist zu beachten, dass nach der erfolgten Umwandlung für den Verkauf der Beteiligungsrechte eine Sperrfrist von fünf Jahren besteht.

Die Lösung der Nachfolgefrage ist nach wie vor eine der vordringlichen Aufgaben des unternehmerischen Alltags. Frühzeitig und richtig angegangen, kann sie aber gelöst werden.